Politik : 68er-Debatte: Vergangenheit von Fischer und Trittin stört Jüngere wenig

Gerd Appenzeller

Wen interessiert die Debatte über Joschka Fischers Frankfurter Sponti-Vergangenheit und Jürgen Trittins Rolle an der Göttinger Universität vor mehr als 20 Jahren wirklich? Werden da die alten politischen und publizistischen Schlachten noch einmal geschlagen oder wollen auch die Jüngeren und vor allem die DDR-Bürger wissen, was damals geschah?

Es gibt keine aktuelle Meinungsumfrage, die darüber Aufschluss gibt. Aber das Institut für Demoskopie in Allensbach hat sich im November 1998, unmittelbar nach Bildung der rot-grünen Regierung, für dieses Thema interessiert und damals folgende Frage gestellt: "Es gibt nun in der Regierung einige Minister mit einer besonderen Vergangenheit. So wird von Joschka Fischer gesagt, dass er ein Barikadenkämpfer gewesen ist. Jürgen Trittin war als Kommunist aktiv und Otto Schily wurde als Anwald von RAF-Terroristen bekannt. Stört Sie das, dass wir nun einige Minister mit so einer Vergangenheit haben, oder stört Sie das nicht?" 37 Prozent der Befragten in Ost und West sagten damals, es störe sie. 48 Prozent war es egal. In der früheren DDR störte es nur 24 Prozent, 62 Prozent fanden es dort unerheblich.

Die jüngeren Bundesbürger von 16 bis 29 Jahre in beiden Teilen Deutschlands waren nur zu 22 Prozent irritiert, 61 Prozent war das Thema gleichgültig. Ganz anders bei den über 60-Jährigen. Hier nahmen 52 Prozent der Befragtenan der Vergangenheit Fischers, Trittins und Schilys Anstoß. Keine Meinung zum Thema hatten, quer durch alle Altersgruppen und die ganze Republik zwischen 13 und 17 Prozent. Diese Umfrageergebnisse sind, soweit es am Montag nachgeprüft werden konnte, bisher nicht veröffentlicht worden.

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