7 Milliarden Menschen : Wie viele Menschen kann die Erde tragen?

Um das Jahr 1800 lebten gerade mal eine Milliarde Menschen auf der Welt. Mehr als 120 Jahre dauerte es, bis es zwei wurden. Doch dann ging es immer schneller. Am Montag werden wir sieben Milliarden Menschen sein.

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Die Uhr tickt unerbittlich: die Bevölkerungsuhr der Vereinten Nationen (UN). Jede Sekunde kommen zwei neue Erdenbürger hinzu. Am Montag wird sie die Marke von sieben Milliarden überspringen. Das Datum haben die UN vorab festgelegt. Ganz exakt lässt sich das schließlich nicht ermitteln. Auch die weitere Entwicklung ist nicht sicher vorhersagbar. Doch es gibt eindeutige Trends. Und demnach wird das rasante Bevölkerungswachstum noch einige Jahrzehnte anhalten. Erst von den 30er Jahren diesen Jahrhunderts an dürfte es sich allmählich verlangsamen. In den 80er Jahren wird voraussichtlich die Zehn-Milliarden-Marke gerissen. Hätte China nicht vor gut 30 Jahren die Ein-Kind-Politik eingeführt, wäre dies schon viel früher der Fall. Auch anderswo werden die Familien dank moderner Familienplanung immer kleiner. Nicht nur in den westlichen Industrieländern, wo schon heute weniger Kinder geboren werden als Greise sterben.

Derzeit kommen jedes Jahr rund 78 Millionen Menschen hinzu. Weniger als 15 Jahre dauert es so, bis eine neue Milliarde erreicht ist. Noch scheint die Erde aber nicht am Limit. Denn trotz aller pessimistischen Prognosen geht es den Menschen in vielen Teilen der Welt heute besser als noch vor 50 Jahren. In einigen Ländern Südostasiens beispielsweise und in Lateinamerika, wo allerdings gleichzeitig ein extremes Wohlstandsgefälle entstanden ist und neue Krisen nicht ausgeschlossen sind, seit Finanzspekulationen auf Agrarrohstoffe die Lebensmittelpreise hochtreiben.

Allein China ist es gelungen, Millionen Menschen aus der Armut zu befreien. Selbst in Afrika, wo weiter viele Kinder geboren werden, Kriege toben und der Klimawandel wie zuletzt in Ostafrika schwere Dürren verursacht, hat sich die Lage insgesamt gesehen nicht verschlechtert.

Die absolute Zahl der Hungernden steigt zwar, doch der Anteil unterernährter Menschen an der Weltbevölkerung ist allein seit 1990 von 20 Prozent auf 15 Prozent zurückgegangen – weil die Landwirtschaft effektiver ist und mehr Regierungen durch Sozialprogramme aktiv etwas gegen Armut unternehmen. Klaus von Grebmer vom Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungspolitik (IFPRI) ist sich sicher: „Wir können sieben Milliarden Menschen und noch mehr ernähren, wenn nachhaltig gewirtschaftet wird.“ Wenn Wasser effizient genutzt wird und auch Kleinbauern besser und mehr produzieren. Land, Wasser und Energie, sagt der Experte, seien die Spannungsfelder der Zukunft. „Darum wird es Kriege geben.“ Schon seit den frühen 80er Jahren lebt die Menschheit über die Verhältnisse der Erde. Derzeit bräuchten wir etwa anderthalb Planeten, um den Hunger nach Energie, Rohstoffen und Land so zu decken, dass für unsere Nachkommen etwas übrig bleibt. Europäer und Amerikaner sind mit Abstand am gierigsten. Und sie sind nicht bereit, sich zugunsten ärmerer Länder einzuschränken. Denn das würde bedeuten, auf Wohlstand zu verzichten.

Ob es einem Kind, das heute geboren wird, einmal gut gehen wird, hängt also auch weiterhin entscheidend davon ob, wo es aufwächst. Ulrike Scheffer

Lesen Sie auf Seite zwei mehr darüber, wie es ist, in Indien aufzuwachsen.

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