• 70 Millionen Daten in vier Wochen : Französische Bürger in großem Stil durch NSA ausgespäht

70 Millionen Daten in vier Wochen : Französische Bürger in großem Stil durch NSA ausgespäht

Die Informationen stammen ebenfalls aus Material, das Edward Snowden dem englischen Journalisten Glenn Greenwald aushändigte. Sie beweisen, dass auch Frankreich im Visier der NSA steht und zeigen das Ausmaß der Bespitzelung durch die NSA. Allein: Wirklich neu ist diese Information nicht.

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Frankreichs Außenminister Laurent Fabius: Frankreich hat wegen der Bespitzelung von französischen Bürgern durch die NSA den amerikanischen Botschafter einbestellt. Foto: dpa
Frankreichs Außenminister Laurent Fabius: Frankreich hat wegen der Bespitzelung von französischen Bürgern durch die NSA den...Foto: dpa

Auch in Frankreich wurden massiv Telefon- und Internetverbindungen durch den US-Geheimdienst NSA ausgespäht. Das Ausmaß enthüllte am Montag die Pariser Zeitung „Le Monde“. Wie das Blatt unter Berufung auf Dokumente des Enthüllers Edward Snowden berichtete, zeichnete die NSA allein in der kurzen Zeit vom 10. Dezember 2012 bis zum 8. Januar 2013 70,3 Millionen Verbindungsdaten französischer Telefonnutzer und Internetuser auf. Die Pariser Regierung forderte von Washington umgehend eine Erklärung und bestellte US-Botschafter Charles Rivkin ins Außenministerium ein.

Frankreichs Außenminister Laurent Fabius, der am Montag seinen amerikanischen Amtskollegen John Kerry zu Konsultationen wegen der Syrienkrise erwartete, sagte am Rande eines Treffens mit seinen Amtskollegen in Luxemburg: „Solche Praktiken, die die Privatsphäre verletzen, sind zwischen Partnern völlig unannehmbar. Es muss schnellstens sichergestellt werden, dass sie aufhören.“

Laut „Le Monde“ gerieten nicht nur Personen ins Visier der NSA, die unter Terrorismus-Verdacht standen, sondern auch Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Besonders interessierte sich die NSA für die E-Mail-Konten des Internetanbieters „wanadoo.fr“ und des US-französischen Telekommunikationsausrüsters Alcatel-Lucent. Bei der Verwendung bestimmter Telefonnummern seien die Gespräche automatisch aufgezeichnet und SMS und deren Inhalte aufgrund von Schlüsselwörtern abgefangen worden. Die Daten der Zielpersonen würden systematisch gespeichert. Die Informationen erhielt „Le Monde“ von dem Journalisten Glenn Greenwald, der die Snowden-Dokumente auch der britischen Zeitung „The Guardian“ zur Verfügung stellte.

Bereits im Juni hatte die französische Regierung Informationen über die NSA-Spionagetätigkeit in Frankreich erhalten. Anders als in Großbritannien oder Deutschland hatte dies jedoch keine Aufregung verursacht. Im Senat und in der Nationalversammlung brachte ein Häuflein Hinterbänkler parlamentarische Anfragen ein, die von der Regierung, wenn überhaupt, nur ausweichend beantwortet wurden. Die Anfrage eines Abgeordneten, ob die Regierung bereit sei, die EU-Gespräche mit den USA über ein Freihandelsabkommen wegen der Abhöraffäre zu blockieren, blieb unbeantwortet.

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