80. Geburtstag : Manfred Rommel: Freundlich, ehrlich, demokratisch

Aus „dem Wüschtefuchs sein Kloiner“ wurde Stuttgarts legendärer Oberbürgermeister: Manfred Rommel feiert seinen 80. Geburtstag.

Bettina Wieselmann[Stuttgart]
246580_0_f2d72993.jpeg
Manfred Rommel.Foto: dpa

„Meinen Geburtstag will ich so feiern, dass ich ihn überlebe, schließlich weiß man nicht, was nachher kommt“, beschied Manfred Rommel, gewohnt hintersinnig, im Sommer Fragen nach der Jubiläumsplanung. Zur Feier seines 80. an diesem Mittwoch unterzieht sich der inzwischen sehr angeschlagene Parkinson-Patient nach längerem Klinik- und Reha-Aufenthalt der Mühe, an die Stätte seines langjährigen Wirkens, in den Großen Sitzungssaal des Stuttgarter Rathauses, zu kommen. Gewiss um die über 300 geladenen Gratulanten, darunter die Gastredner – Ministerpräsident Günther Oettinger und Münchens OB Christian Ude – nicht zu enttäuschen. Ganz sicher aber auch, weil den langjährigen Stuttgarter Oberbürgermeister, der sein Leben lang bescheiden aufgetreten ist, seine Popularität einfach freut. Rommel mag die Menschen, und die lieben ihn.

Vorauszusehen war das nicht, als der damalige Ministerpräsident Hans Filbinger seinen sich sträubenden Finanzstaatssekretär im Sommer 1974 in den Stuttgarter OB-Wahlkampf abkommandierte. Der Spitzenbeamte, der als Verwaltungsreformer hinter manchen Erfolgen der Landespolitik stand, machte als Stimmenfänger auf dem kommunalpolitischen Terrain zunächst einen eher unbeholfenen Eindruck. Dem bestens präparierten SPD-Kandidaten Peter Conradi hielt Rommel, von einer immer unsicherer werdenden CDU als „dem Wüschtefuchs sein Kloiner“ vermarktet, freundlich lispelnd seine Unkenntnis lokaler Probleme entgegen. Von der ihm später eigenen Koketterie mit angeblichem Nichtwissen war da noch nichts zu spüren. Mag der erste Wahlsieg deshalb auch mit auf das Konto des legendären Generalfeldmarschalls Erwin Rommel, seines von den Nazis in den Selbstmord getriebenen Vaters, gegangen sein: Einmal im Amt, setzte Manfred Rommel unangefochten selbst den Maßstab. Zur letzten Wahl 1990 trat die SPD erst gar nicht mehr an.

Es gibt viele Gründe, warum dem überzeugenden Demokraten Rommel schon nach kurzer Amtszeit eine ungewöhnliche Mischung aus Respekt und Zuneigung entgegenschlug. Unabhängig im Denken, verantwortete Rommel selbstbewusst umstrittene Entscheidungen wie das gemeinsame Begräbnis der Stammheim-Terroristen 1977 in Stuttgart. Toleranz als Markenzeichen – das galt auch für seine Ausländerpolitik, mit der der liberale Konservative bei den Oberen in der eigenen Partei lange aneckte. Rommel focht das nicht an.

0 Kommentare

Neuester Kommentar