Politik : 8000 wollen in Deutschland gegen Bush protestieren

Barbara Junge

Berlin/Mainz – In Mainz wird am Mittwoch nichts so sein, wie es sonst ist. Die Autobahnen mutieren zum einbahnigen Ringverkehr, Teile der Stadt sind komplett abgeriegelt, und sogar Briefkästen vor den Häusern wurden abmontiert. Die Sicherheitsvorkehrungen für den Besuch des US-Präsidenten unter Einsatz mehrerer Tausend Polizisten stellen jedoch nicht nur die Sicherheitsbehörden und die Einwohner der Stadt vor ungewohnte Probleme. Auch die Organisatoren der am selben Tag geplanten Demonstration gegen George W. Bush wissen noch nicht, was aus ihrer Veranstaltung werden wird – und wer bis zum Ort des Protestes gelangen kann.

Derzeit gehen die Bush-Gegner davon aus, dass sich etwa 8000 Menschen dem Protest anschließen wollen. Die Polizei erwartet etwa 6000 Teilnehmer. Allerdings ist noch nicht absehbar, wie viele der Demonstranten an den Absperrungen oder einfach im Stau hängen bleiben. „Wegen der Sperrungen kann es ratsam sein, schon einen Tag früher nach Mainz zu kommen“, raten die Veranstalter den Anreisenden im Internet deshalb. Fieberhaft werde versucht, Unterkünfte für Auswärtige bereitzustellen.

Bundesweit haben Bush-Gegner Busse für die Reise nach Mainz gechartert. „Für die Fahrzeuge haben wir mit der Polizei aber Absprachen getroffen“ versichert Angelika Shams von Attac, „wenn die Plakate im Fenster haben, auf denen genau steht wo sie hinwollen, dann lenkt die Polizei sie auch zu den Parkplätzen“. Sicherer allerdings sei die Anreise mit der Bahn, „zumindest bis zum Hauptbahnhof kommt man dann bestimmt“.

Unter dem Motto „Not welcome Mr. Bush. Für eine friedliche und soziale Welt“ ruft für Mittwoch um 5 vor 12 eine Vielzahl von Organisationen, darunter Attac, Friedensgruppen, die „Ärzte gegen den Atomkrieg“ und die PDS zum Protest in Mainz auf. Die Demonstration soll, auch wegen der Arbeitnehmer-unfreundlichen Protestzeit, mit einer anschließenden Party bis in den Abend fortgesetzt werden. Zusätzlich, hoffen die Veranstalter, könnten weiße Laken, Tansparente und Friedensfahnen in Fenstern den Protest ausdrücken – insbesondere dort, wo nicht protestiert werden kann.

Die Veranstalter betonen den friedlichen Charakter. „Wir sind nicht an einer Eskalation interessiert“, so Roman Haug von Attac. Manche Ankündigung im Internet klingt indes weniger friedlich. In einem Beitrag heißt es: „Warum unterstützen wir nicht die Sicherheitskräfte bei ihrem Versuch, den freien Personenverkehr lahm zu legen? So manchem freiheitsliebenden Auto kann da der Sprit ausgehen, ein Reifen muss gewechselt werden.“ Attac-Koordinatorin Shams: „Sicher gibt es Gruppen, die ihre eigenen Vorstellungen haben. Aber angesagt ist friedlicher Protest“.

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