9/11-Drahtzieher : Sie wollen als Märtyrer sterben

Khalid Scheich Mohammed und seine vier Mitangeklagten bitten vor dem Militärtribunal in Guantanamo darum, bald Geständnisse ablegen zu dürfen. Die Drahtzieher der Anschläge von 9/11wollen hingerichtet werden.

Matthias B. Krause[New York]
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Mohammed

Er tat, als könne das Ende nicht schnell genug kommen. Khalid Scheich Mohammed, der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001, und seine vier Mitangeklagten wollen sich ihrer Taten schuldig bekennen und hingerichtet werden. „Wir wollen unsere Zeit nicht mit Anträgen verschwenden“, sagte Mohammed bei einer Anhörung auf dem US-Militärstützpunkt Guantanamo auf Kuba am Montag, „sie alle hier werden von der US-Regierung bezahlt. Ich vertraue keinem Amerikaner“. Die überraschende Bitte, ein schnelles Geständnis ablegen zu dürfen, brachte den vorsitzenden Militärrichter Stephen Henley in Bedrängnis. Nach einer Unterbrechung entschied er, dass zunächst über die Schuldfähigkeit von zwei Mitangeklagten entschieden werden müsse, bevor das Verfahren weitergehe.

Die fünf, neben Mohammed der mutmaßliche Logistiker der Hamburger Terrorzelle, Ramsi Binalschibh, Mustafa Ahmed al Hawsaui, Walid bin Attasch und der mutmaßliche Finanzier Ali Abdul Asis Ali hatten sich bereits am 4. November in einer gemeinsamen schriftlichen Erklärung für ein Geständnis entschieden. Ihnen wird Verschwörung zum Mord an 2973 Menschen vorgeworfen, es droht ihnen die Todesstrafe. Mohammed hatte das Militärtribunal im Juni wissen lassen, dass er als Märtyrer sterben wolle. Er war im März 2003 in Pakistan festgenommen und zunächst in ein geheimes CIA- Gefängnis gesteckt worden. Von dort kam er im September 2006 nach Guantanamo.

Im März 2007 hatte Mohammed einem US-Militärtribunal gesagt: „Ich war für die 9/11-Operation von A bis Z verantwortlich.“ Er bekannte sich auch dazu, den amerikanischen Journalisten Daniel Pearl eigenhändig geköpft zu haben. Bilder des Mordes in Karatschi Anfang 2002 waren danach im Internet verbreitet worden. Der vorsitzende Richter lässt derzeit prüfen, ob er überhaupt die Geständnisse entgegennehmen und ohne eine Jury ein Urteil fällen darf. Die Militärtribunale waren von der Bush-Regierung konstruiert worden, nachdem der Oberste Gerichtshof der USA dem Weißen Haus verboten hatte, die „feindlichen Kämpfer“ in Guantanamo auf unbestimmte Zeit ohne Prozess festzuhalten.

Selbst wenn nun alles ganz schnell ginge, stünde die künftige Regierung von Präsident Barack Obama vor der zynischen Aufgabe, die fünf hinzurichten, obwohl sie in Verfahren verurteilt wurden, die Obama als verfassungswidrig ablehnt. Er will Guantanamo schließen und die mutmaßlichen Terroristen vor Zivilgerichten auf amerikanischen Boden anklagen, sobald er im Januar die Amtsgeschäfte übernimmt. Gerade angesichts von „verschärften Verhörmethoden“, denen Gefangene wie Mohammed unterzogen wurden, nennen Menschenrechtler das gesamte Verfahren eine Farce. Jennifer Daskal, Prozessbeobachterin von Human Rights Watch fordert: „Da die Männer schwer misshandelt worden sind, sollte der Richter sie vollständig und sorgfältig befragen, um festzustellen, ob ihre Geständnisse wirklich freiwillig sind.“

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