9 Tage nach der US-Wahl: Abschiedstour des US-Präsidenten : Ist Obama ein unverbesserlicher Optimist?

Auf seiner Abschiedsreise verbreitet der scheidende US-Präsident Barack Obama gute Stimmung - so gut es geht. Aber die kurzfristigen Aussichten sind eher bedrückend. Ein Kommentar.

Christoph von-Marschall
Kalimera Griechenland! US-Präsident Barack Obama auf dem Flughafen von Athen.
Kalimera Griechenland! US-Präsident Barack Obama auf dem Flughafen von Athen.Foto: dpa

Er klingt wie ein unverbesserlicher Optimist. Barack Obama beschwört die Werte der Demokratie, als sei nicht eben Donald Trump demokratisch gewählt worden. Er ermuntert Europa, als sei die EU nicht am Auseinanderfallen (Brexit) und als sei der Euro keine in ihrer Stabilität bedrohte Währung, wie man doch gerade in Athen beobachten kann.

Er spricht über die Nato, als werde das Bündnis nicht doppelt attackiert: einerseits durch Wladimir Putin, der den Zusammenhalt immer wieder testet. Andererseits durch Trump, der im Wahlkampf Zweifel weckte, ob das Beistandsversprechen der USA unbedingt gilt.
Obama ist ein kein unverbesserlicher Optimist – er ist ein beharrlicher Optimist. In seiner politischen Rhetorik wie in seinen Handlungen sucht er eine Verbindung zwischen hochfliegenden Plänen, die zu dem Zeitpunkt fast utopisch anmuten können, und den oft nur kleinen praktischen Schritten, die realpolitisch möglich sind. Der Bogen der Geschichte führt auf lange Sicht zu Gerechtigkeit, das ist eine seiner Lieblingsweisheiten. Was einschließt, dass es dazwischen Phasen wachsender Ungerechtigkeit geben kann. Obama hält fest am Ziel einer atomwaffenfreien Welt, auch wenn er mit Russland nur ein Drittel der strategischen Atomraketen abrüsten konnte. Und er macht den Europäern Mut, beschreibt die politische Integration des Kontinents fast wie ein Wunder, selbst wenn die kurzfristigen Aussichten eher bedrückend sind.

Ein Rückschritt muss kein Rückschlag sein


So erklärt der scheidende Präsident in Athen seine Interpretation des Wahlausgangs: Eine Wahlniederlage und ihre Folgen muss man akzeptieren. Man kann aber daran arbeiten, dass der Rückschritt – den dieses Ergebnis aus Obamas Sicht bedeutet – nicht in einem historischen Rückschlag endet. In den USA versucht er, Trump die Beweggründe und geopolitischen Zwänge seiner Außenpolitik und seiner Klimapolitik nahezubringen, in der Hoffnung auf den Pragmatiker, der im Businessman Trump steckt. In Europa redet Obama gegen Resignation an. Den Griechen, Deutschen, Franzosen, Italienern fordert er samt ihren Nachbarn ab, weiter an Europa zu glauben und an die westliche Demokratie. Das ist die bleibende Botschaft: Auch mit Trump – vor allem auch nach Trump – haben die USA und Europa eine gemeinsame Zukunft.

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