90 Jahre : Europa gedenkt Ende des Ersten Weltkrieges

Ein feierlicher Tag: Vor 90 Jahren wurde der erste Weltkrieg beendet - und in ganz Europa wird an diesem Dienstag der Opfer des Krieges gedacht. Bundeskanzlerin Merkel beispielsweise nimmt an den Feierlichkeiten in Polen teil.

Merkel
Gute Stimmung bei den Feierlichkeiten in Polen. -Foto: AFP

Douaumont/WarschauDer 11. November: An diesem Tag müssten alle Opfer des Krieges gewürdigt werden, ganz gleich aus welchem Land sie kämen, sagte der französische Präsident Nicolas Sarkozy in der ostfranzösischen Gedenkstätte Douaumont. Polen feierte am Dienstag die Unabhängigkeit, die das Land mit dem Ende des Ersten Weltkriegs am 11. November 1918 wiedererlangt hatte. Bundeskanzlerin Angela Merkel nahm auf Einladung von Staatspräsident Lech Kaczynski an der zentralen Feier auf dem Warschauer Pilsudski-Platz teil, an der Seite von 16 ausländischen Staatschefs.

Bei der Feier in Douaumont wurde Deutschland von Bundesratspräsident Peter Müller (CDU) vertreten. Weitere Teilnehmer waren EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der Präsident des Europaparlaments, Hans-Gert Pöttering, sowie der britische Thronfolger Prinz Charles. Sarkozy nahm in seiner Rede Bezug auf die Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich, die sich im Ersten und Zweiten Weltkrieg als Feinde gegenübergestanden hatten. Er erinnerte an das Treffen des damaligen französischen Präsidenten François Mitterrand mit Bundeskanzler Helmut Kohl 1984 in Douaumont. Sie hatten in der Gedenkstätte Hand in Hand der Toten der Weltkriege gedacht.

Sarkozy: "Es geht darum, alle zu würdigen"

Am 11. November gehe es nicht darum, "den Krieg zu feiern" oder "den Sieg eines Lagers über das andere", sagte Sarkozy. Es gehe darum, "alle zu würdigen, die bis ans äußerste Ende ihrer Kräfte gekämpft haben". Der Erste Weltkrieg sei der erste Konflikt gewesen, der "die Idee der Menschlichkeit an sich bedroht" habe. Der Aufbau Europas, die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und die Gründung der Vereinten Nationen seien dann letztlich Folge des Grauens der beiden Weltkriege gewesen.

Präsident Kaczynski betonte bei der zentralen Zeremonie in Warschau, dass in der Europäischen Union weiter Patriotismus gebraucht werde. Für Polen sei Patriotismus auch notwendig, um das Land zu entwickeln und den Abstand zu verringern, den es von den reicheren Ländern trenne. An der Feier mit Militärparade nahmen neben Merkel unter anderen die Präsidenten Afghanistans, Hamid Karsai, und der Ukraine, Viktor Juschtschenko, teil.

Am Abend Gala im Warschauer Opernhaus mit 800 Gästen

Für den Abend erwartet Kaczynski zu einer Gala im Warschauer Opernhaus, an der Merkel nicht mehr teil nimmt, rund 800 Gäste. Der ehemalige Staatschef, Friedensnobelpreisträger und Mitbegründer der Gewerkschaft Solidarnosc, Lech Walesa, ist nicht eingeladen, was in der polnischen Öffentlichkeit teils scharf kritisiert wurde. Lech Kaczynski und sein Bruder Jaroslaw, Chef der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) waren in den 80er Jahren enge Mitarbeiter Walesas gewesen. Anfang der 90er Jahre kam es jedoch zum Bruch.

Heute beschuldigen die Brüder ihn, Agent des kommunistischen Geheimdienstes gewesen zu sein. Walesa kommentierte die fehlende Einladung mit den Worten, Lech Kaczynski gebe seinen Privatinteressen Vortritt vor dem Patriotismus. "Das ist nicht gut, aber als guter Christ verzeihe ich ihm", sagte Walesa im Privatfernsehsender TVN24.

In Polen hat der 11. November als Unabhängigkeitstag hohe symbolische Bedeutung. Das Land war Ende des 18. Jahrhunderts zwischen Russland, Österreich und Preußen geteilt worden und erlangte seine Unabhängigkeit erst 123 Jahre später bei Ende des Ersten Weltkriegs wieder. Zur Zeit der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs und unter der kommunistischen Regierung in den folgenden Jahrzehnten durfte der 11. November nicht gefeiert werden. Erst seit der Wende 1989 ist er wieder offizieller Feiertag. (sba/AFP)

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