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Proteste

Beten gegen die Regierung

Buddhistische Mönche erhöhen den Druck auf Birmas Militärjunta – die reagiert mit Massenfestnahmen.
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Mehr als 400 Mönche beteten an der berühmten Shwedagon-Pagode. Erstmals kamen auch mehrere tausend Menschen, um die Protestaktionen zu begleiten. - Foto: AFP
Tag drei des Mönch-Protests im buddhistischen Militärstaat Birma: in der alten Hauptstadt Rangun zogen 400 Mönche im Regen durch die Straßen, vorbei am Büro der „Nationalen Liga für Demokratie“ bis zur Schwedagon-Pagode. Der berühmteste Tempel des Landes war seit Dienstag von Sicherheitskräften versperrt worden, nun ist er wieder offen. Nach einem Gebet setzten die Mönche ihren Marsch durch Rangun fort.

Am Dienstag hatten in mehreren Städten des Landes Hunderte von Mönchen, am Mittwoch sogar Tausende an solchen Märschen teilgenommen. Sie sind eine Reaktion auf die Politik der Militärs, die seit 45 Jahren herrschen. Birmas Junta, die das Land Myanmar nennt, hatte Mitte August die Benzinpreise verdoppelt. Seitdem hat es die Bevölkerung noch schwerer, über die Runden zu kommen.

Manche können sich den Transport zu Arbeit, Schule oder Universität nicht mehr leisten. Dissidenten gingen auf die Straße, obwohl das als „Untergraben von Stabilität und Sicherheit" mit 20 Jahren Gefängnis bestraft werden kann. 150 Festnahmen schreckten die Bürger davon ab, sich dem Protest anzuschließen. Ein von Dissidenten angestrebter Volksaufstand schien abgewendet. Doch nun sind die Mönche an der Reihe. Die Nachrichtenagentur AFP meldet, dass sich dem jüngsten Marsch in Rangun 500 Bürger angeschlossen hätten. „Wenn Mönche sich einschalten, wird es ernst. Sie haben eine sehr wichtige Rolle in der Gesellschaft“, sagte Universitäts-Lektor Win Min.

Mönche sind respektierte, ja verehrte Vorbilder. Gegen Mönche vorzugehen, ist eine Sünde. Aber genau das taten am 5. September Soldaten der Junta. Sie lösten einen der ersten Märsche mit Warnschüssen auf und verprügelten Mönche. Als Sicherheitsbeamte sich später entschuldigen wollten, nahmen Mönche sie vorübergehend als Geiseln und steckten ihre Autos in Brand. Glaubt man den Exilbirmanen in Thailand, die das Magazin „Irrawaddy“ herausgeben, dann folgte der Konfrontation die Gründung der „Allianz aller Mönche Birmas“. Angeblich fordert diese Allianz nicht nur eine Entschuldigung für die Brutalität und die Rücknahme der Benzinpreiserhöhung, sondern zudem genau das, was Dissidenten seit Jahren fordern: Freilassung aller politischen Gefangenen, Ende des Hausarrests für Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, und Dialog mit Demokraten.

„Sollte das Regime unsere Forderungen nicht einlösen, wird die Allianz die Junta boykottieren“, heißt es in einer Erklärung von Mönchen. Unter Boykott ist eine Tempelsperrung und die Ablehnung von Gaben zu verstehen. Betroffen sollen alle sein, die etwas mit dem Staatsapparat zu tun haben, inklusive ihrer Familien. Solch ein Boykott hätte unüberschaubare Konsequenzen. Für Buddhisten sind auf dem Weg zur Erfahrung des „Nirwana“, dem Zustand der Befreiung von allen Leiden, Beten und Darbringung von Gaben unerlässlich. Sollte beides unmöglich werden, müssten Staatsdiener und ihre Familien, insgesamt wahrscheinlich zwei bis drei Millionen Menschen, sich zwischen religiöser und staatlicher Loyalität entscheiden. Dies brächte die Diktatur ins Wanken.

Glaubt man dagegen der Junta-Presse, dann hat die demokratische Oppositionspartei NLD am 5. September „ein paar junge Mönche“ zur Demonstration und einen Mob zu Gewalt angestiftet. Die Zeitung „New Light of Myanmar“ zitiert einen „ranghohen“ Mönch, der Protestorganisatoren angeblich als „Teufel“ bezeichnet. Staatsmedien brachten jüngst viele Berichte über Generäle, die Mönchen Gaben bringen, welche angenommen wurden. General Myint Swe, Chef aller Spezialeinheiten im Verteidigungsministerium, habe 15 Klöstern in Rangun Reis, Speiseöl, Salz, Medikamente und Geld gespendet.



(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.09.2007)
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