Eine private Krankenversicherung gibt es für FDP-Mitglieder billiger. Auch die SPD warb einst mit einem Rabatt.
Berlin - Ganz legal – und doch nicht ganz in Ordnung: Was seit Tagen im Zusammenhang mit einer Millionenspende eines Hotelinhabers an die FDP und die von der Partei nach der Bundestagswahl umgesetzte Senkung der Umsatzsteuer auf Hotelübernachtungen diskutiert wird, erfasste am Mittwoch auch das Verhältnis der FDP zu den privaten Krankenversicherungen (PKV).
Politisch ist das deshalb interessant, weil die FDP mit ihrem Gesundheitsminister Philipp Rösler das Gesundheitssystem umkrempeln will. Und die Opposition befürchtet, er werde das im Sinne der privaten Kassen tun – schließlich hat Rösler gerade erst einen PKV-Mann zum Chef seiner Grundsatzabteilung ernannt.
In der Generaldebatte des Bundestages zum Haushalt 2010 fragte der Grünen-Abgeordnete Volker Beck die Fraktionschefin der FDP, Birgit Homburger, ob es denn stimme, dass die FDP für ihre Mitglieder verbilligte Tarife in der Privatversicherung bereithalte. Auf dass jeder vermuten sollte, dass auch in diesem Bereich irgendein schmutziger Deal läuft.
Fakt ist jedenfalls: Seit 2003 gibt es zwischen FDP und der Versicherung DKV einen Gruppenvertrag, wonach jedem Parteimitglied ein Tarifrabatt von fünf Prozent zusteht. „Nichts Ungewöhnliches“ sieht darin die FDP. Und nennt freimütig weitere Partner ihres „Netzwerkes mit Nutzwert“, das allen Mitgliedern offen steht. Etwa Vodafone, die Autovermietung Sixt oder Reiseanbieter.
Auch für SPD-Mitglieder war die Parteizugehörigkeit Anfang des Jahrtausends mit diversen Rabatten aufgehübscht. Die sogenannte SPD-Card haben die Sozialdemokraten jedoch nach Angaben eines Sprechers wieder abgeschafft.
Beim PKV-Verband versteht man die Aufregung nicht. Bei den Gruppenverträgen handle sich um ein „völlig legales, transparentes und verbreitetes Marketinginstrument“, in dessen Genuss keineswegs nur die FDP komme, sagte PKV-Sprecher Stefan Reker dem Tagesspiegel. Daran sei „nun wirklich nichts Unkeusches“. Im Payback-Zeitalter würden jedem Kunden Rabatte gewährt, „auch Gruppenreisen sind billiger“. Tatsächlich hat allein die DKV mit mehr als 750 Unternehmen und 330 Verbänden sogenannte Gruppenverträge abgeschlossen, auch Journalisten und ihre Familienmitglieder erhalten einen Rabatt von fünf Prozent. Und für Ärzte, Apotheker oder Steuerberater gibt es sogar ganz spezielle Tarife.
Die Sache habe schon „ein Geschmäckle“, findet die Grünen-Gesundheitsexpertin Biggi Bender. Die Vergünstigungen seien zwar legal – aber legal seien „auch die Parteispenden von Hotelbetreibern, denen man eine Steuerbefreiung gewährt“. Von der politischen Hygiene her dürfe es einfach nicht sein, „dass man ausgerechnet mit denjenigen Rabattverträge aushandelt, für deren Interessen man sich politisch einsetzt“. Dass auch die Grünen- Fraktion den Vorteil eines Gruppenvertrags mit dem Telefonanbieter Vodafone genießt, findet Bender weniger anrüchig. „Ein Krankenversicherer ist was ganz anderes als ein Telefonfuzzy.“
Schon vor sechs Jahren bescherten die Verbandelungen mit der DKV der FDP Ärger. Guido Westerwelle hatte damals seinem alljährlichen „Dreikönigsbrief“ an die Parteimitglieder eine Farbbroschüre mit dem Titel „Gestalten Sie Ihre eigene Gesundheitsreform“ beilegen lassen. Darin machten FDP und DKV gemeinsam Werbung für den Kölner Konzern. Unter anderem hieß es in dem Faltblatt, dass die DKV die „Nummer eins unter den Privaten in Europa“ sei und dass ein besonders beworbener Tarif eine „gesunde Lösung“ darstelle. Die Liberalen rechtfertigten das Werbeblättchen damals offensiv als eine Form „modernen Sponsorings“.
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 21.01.2010)
Kommentare [ 21 ] Kommentar hinzufügen »
Frau Homburger isst wahrscheinlich immer zu heiß, deswegen hat sie kein Gefühl für guten Geschmack, keine Chance das "Geschmäckle" zu bemerken. Die Gier lässt nicht nur den Anstand und Moral vergessen.
Klar, kann ich mich als gesunder 30 Jähriger für etwa 200 Euro privat versichern. 25 Jahre später, sind aus den 200 Euro aber mind. 600 Euro geworden, ohne Beitragssicherheit, die PKV, erhöht ihre Beiträge brutal. Momentan, sind jährliche Beitragssteigerungen von 10-15% allgegenwärtig. Der Arbeitgeberanteil ist übrigens auf max. ca 260,- beschränkt, also für angestellten nix mit fifty/fifty
Das mit der FDP, ist doch nur ein Aufmacher, andere Parteien, Organisationen werben auch mit solchen zweifelhaften Rabatt-Angeboten. Daraus einen Klassenkampf zu machen, ist aber reichlich albern.
der sich privat versichert nicht unbedingt besser dran.
In jungen Jahren zahlt er relativ wenig, wenn er älter wird, wirds relativ teuer.
Und wenn er Vorerkrankungen hat, werden diese von der Leistung ausgeschlossen oder er wird gar nicht erst angenommen.
Stellt sich auch noch heraus, dass er in den ersten zwei Jahren häufig krak ist und nur Kosten verursacht, kann die Versicherung auch von sich aus kündigen, was auch häufig gemacht wird.
Nun kommt aber das Besondere an der ganzen Sache:
Wenn nun aber von der FDP darauf hin gearbeitet wird, dass die gesetzlichen Krankenversicherungen zu gunsten der privaten Krankenversicherungen wegfallen sollen, wo, frage ich mich wird man dann vergleichen können ?
Und glaube nur keiner, dass die privaten Versicherungen sich als Wohlfahrtsverbände verstehen. Auch werden sie sich selbst nicht an den Karren fahren, sprich:
sie werden sich wohl schnell einigen wie man die Versicherten kolektiv abkassieren kann.
Aber was will man dazu und zur FDP sagen ?
Ein Trauerspiel ist es allemal.
Und wenn der Herr Westerwelle auch noch bei der AWD-Finanzdienstleister im Aufsichtsrat sitzt und offensichtlich auch deren ins Gerede gekommene Geschäftspolitik mit trägt, muss man sich über gar nichts mehr wundern.
Schönen Zeiten die wir da entgegensteuern.
Ebenso bieten Geschäfte oft Kundenkarten mit Rabatt beim Einkauf an...Also nichts wirklich weltbewegendes. Daß nun die FDP auch in den Genuß solcher "Bonbons" kommt, hat allenfalls ein "Gschmäckle" und das gilt ebenso für andere Parteien.
Die SPD hat das inzwischen abgeschafft?Kaum zu glauben.
Es hat allerdings ebenfalls ein G'schmäckle, wie willig die Medien, der "Tagesspiegel" macht da leider keine Ausnahme, dieses Spiel mitspielen, sei es nun der Auflage wegen oder, das läßt sich leider auch nicht ausschließen, aus politischem Interesse.
Vielleicht, liebe Redaktion, berichten Sie ja mal in ähnlichem Umfang über die zahlreichen Vorteile, die Journalisten bei den verschiedensten Unternehmen genießen, von vergünstigten Versicherungen über billigere Flüge, Automieten und Bahnfahrten bis zu kostenlosen Zeitungs- und Pay-TV-Abonnements. Eine einschlägige Internetseite listet fast 1.500 (!) dieser Sonderkonditionen auf...
Allein die Luxusreisen, mit denen Automobiljournlisten anläßlich der Vorstellung neuer Modelle verwöhnt werden, wären eine kritische Reflektion wert; schließlich kann man hierin ein Indiz für gekaufte Berichterstattung sehen.
Ob man derlei aber jemals in einer Zeitung lesen oder in den elektronischen Medien hören und sehen wird? Ich zweifle...
Für Amtsträger gelten andere Maßstäbe; sie haben sich eidlich zur Unabhängigkeit verpflichtet.
Ergebnis einer TED-Umfrage von n-tv "Ist die Bundesregierung käuflich?"
90% "Ja"
10% "Nein".
So weit hätte es nicht kommen dürfen und die Schuld daran tragen nicht die Medien sondern die Skandale der letzten Jahrzehnte.
Gerade angesichts der zahlreichen Vergünstigungen, die Journalisten von überallher in Anspruch nehmen können, ist es um so verwerflicher, wenn sie dann pharisäerhaft auf andere zeigen und "Haltet den Dieb!" rufen. Und angesichts ihrer selbsternannten Position als "Vierte Gewalt" ist dieses Verhalten auch alles andere als unerheblich.
Und was die Aussagekraft von TED-Umfragen anbetrifft, müssen wir uns doch hoffenlich nicht darüber auseinandersetzen, woher die überwältigende Zahl der Anrufe gekommen sein dürfte. Ich für meinen Teil tippe auf Stresemannstraße, Rosa-Luxemburg-Platz und Platz vor dem neuen Tor. Und Sie?
der FDP uff' Kopp zu hauen,
aber übertreibt Ihr bei dieser Sache nicht:
egal, ob in Sportvereinen, Gewerkschaften, Parteien, überhaupt Organisationen, Berufsgruppen bekommt man IMMER von irgendwelchen Läden irgendwelche Vergünstigungen und Rabatte.
Das nun auasgerechnet an der FDP festzumachen,
halte ich nicht für gerechtfertigt...
Mitglied des Beirates der Deutschen Vermögensberatung AG, Frankfurt/Main. Soll irgend eine Versicherungs- und Kapitalanlagenhandelsgesellschaft sein. Paar Zeilen aus dem Geschäftsbericht: "Während am Markt das Neugeschäft mit einem Minus von 24,2 % stark rückläufig war, konnten wir unser Neugeschäft (Riesterrente) in diesem Segment um 56,1 % ausbauen". (Parteispenden der Allianz AG folgten)
Weiter heißt es, "... das aufgrund der in den zurückliegenden Jahren vollzogenen, tiefen Einschnitte in die staatlichen Sozialversicherungssysteme der Bedarf an privater Alters- und Gesundheitsvorsorge ungebrochen ist und bleiben wird...die Menschen müssen davon überzeugt werden, heute auf Konsum zu verzichten, um Altersarmut zu vermeiden".
Die FDP- Mitglieder beschaffen sich Rabatte und Parteispenden auf den Kosten des Sozialstaatsgarantiegebotes für Menschenleben im GG und ruinieren nebenbei Menschen, den Konsum, den Handel und die Produktion, um als Gegenleistung Papier der Kapitalanleger von priv. Versicherungen zu verkaufen?
Armut und der Ruin der gesetzlichen Sozialversicherung wird so zum praktischen Parteiprogramm der FDP & Co.
Ein Teil der Angaben befindet sich hier.
Der Opposition (darf man die ernsthaft noch so nennen?) ist wirklich kein Thema zu blöd, die Regierung mit Dreck zu bewerfen. Demnächst reden wir dann noch darüber, ob Herr Westerwelle zu einer Abendveranstaltung eine Eintrittskarte umsonst bekommen hat und welche politische Absprache wohl dahinter steckt. Anstatt solcher Schein-Skandälchen sollte man sich vielleicht lieber mal ernsthaft inhaltlich auseinandersetzen, aber das ist natürlich schwierig, wenn man bis vor ein paar Wochen (oder ein paar Jahren) selbst noch in der Regierung war und sich seitdem an der 180-Grad-Wende versuchen muss.
Natürlich lässt sich auch durch
"Meinungsmache"
Politik machen das wird niemand in Frage stellen.
Doch der direktere Weg ist es, direkt über Parteien in die Politik einzugreifen.
Durch den Partei-Hebel die Gesetze, die Richtung vorzugeben.
Da wirkt natürlich ein Gruppenvertrag bei einer Versicherung wesentlich anders als wenn dieser Gruppenvertrag von Journalisten wahrgenommen oder ob er von Parteimitgliedern in Anspruch genommen wird.
Es ist keine Oberflächlichkeit über die diese Diskussion hier geführt wird, es sind hier direkt Interessen von Menschen, von Bürgern, Steuerzahlern - Wählern, tanggiert und das macht die Musik aus die dahinter steckt.
Es ist kein Lappalie, man muss es sehen was damit bewirkt wird und dies wollen offensichtlich welche hier umdeuten.
Es geht darum welches Versicherungssystem wir in Zukunft haben werden und das wird eben nun mal von der Politik bestimmt und wenn dann solche Dinge wie oben beschrieben sich zu tragen, dann muss man sich schon fragen was da geschieht.
Immerhin kann die Versicherungswirtschaft immens viel dabei
verdienen wenn auf das Privatversicheungssystem umgestellt wird.
Das das nicht sehr schnell gehen kann ist klar.
Aber es zeigt sich, dass hier rechtzeitig und zielgerichtet von bestimmter Seite aus gearbeitet wird.
Und es wird mit Sicherheit für die Betroffenen dadurch nicht günstiger, weil sich in der Vergangenheit schon gezeigt hat, dass Privatversicherungen keine Wohfahrtseinrichungen sind und immer ihren Kapitalgebern und somit einem gesunden Gewinnstreben folgen werden, egal wie der einzelne dabei abschneidet, ob er auf der Strecke bleibt oder nicht.
Der der sich es sich nicht leisten kann, das können durchaus viele sein, müssen dann wiedermal von der Allgemeinheit getragen werden, nicht von den privaten Versicherungen, das dürfte wohl doch allen einleuchten.
Natürlich lässt sich auch durch
"Meinungsmache"
Politik machen das wird niemand in Frage stellen.
Doch der direktere Weg ist es, direkt über Parteien in die Politik einzugreifen.
Durch den Partei-Hebel die Gesetze, die Richtung vorzugeben.
Da wirkt natürlich ein Gruppenvertrag bei einer Versicherung wesentlich anders als wenn dieser Gruppenvertrag von Journalisten wahrgenommen oder ob er von Parteimitgliedern in Anspruch genommen wird.
Das klingt plausibel, ist es aber nur beschränkt:
Der Einfluß des "normalen" Parteimitgliedes, und an solche richten sich derartige Angebote ja vorrangig, auf die Politik der jeweiligen Partei ist durchaus sehr überschaubar.
Der Einfluß auch eines ganz normalen Redakteurs kann enorm sein, wenn er zum Beispiel einen langen Artikel verfaßt, in dem ganz normale Vorgänge in die Nähe des Skandals gerückt werden. Wenn er dann auch noch mit einer griffigen Schlagzeile nachhilft und, nicht mal unterschwellig, Übles insinuiert, hat der Redakteur unter Umständen schon mehr erreicht, als es jedes normale Parteimitglied vermag, nämlich die Wahlentscheidung von Menschen zu beeinflussen.
Insofern wird meiner Ansicht nach im Zusammenhang mit den Medien viel zu selten die Frage gestellt, "quis custodiet ipsos costodes?"
Nein - nein - es ist schon ganz anders zu werten wenn Parteimitgliedern so etwas angeboten wird als wenn es anderen Berufsgruppen oder Journalisten angeboten wird.
Soviel Feingefühl muss schon noch sein mein lieber Herr,
denn es geht um sehr viel.
Es wird ja schon so viel an Lobbyismus bei uns zugelassen,
dass sich einem immer wieder mal der Magen dreht.
Da muss man schon noch mahnend den Finger heben dürfen.
Alles fängt einmal klein an.