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Ortstermin

Von Ehen und Liebhabern

Victor Trofimov trifft den russischen Nato-Botschafter Dmitrij Rogozin.
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„Die Ehe zwischen Russland und Deutschland, die von den früheren Außenministern geschlossen wurde, ist so fest, dass ein neuer, heißer und junger Liebhaber sie nicht zerbrechen kann“, so kommentierte der russische Botschafter bei der Nato in Brüssel, Dmitrij Rogozin, die Perspektiven der deutsch-russischen Beziehungen unter dem neuen Außenminister Guido Westerwelle. Der Diplomat, der für seine scharfen Aussagen und offene Kritik an der transatlantischen Partnerschaft bekannt ist, hatte beim Vortrag in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik auch Lob für die USA parat. Er pries US-Präsident Barack Obama für sein außenpolitisches Engagement, besonders für die Entscheidung, auf ein Raketenabwehrsystem in Osteuropa zu verzichten. Das sei für Russland ein positives Signal. Rogozin betonte, dass Russland in die europäische Architektur der Sicherheit einbezogen werden müsse. „Es schmerzt mich, wenn man von den Beziehungen zwischen Russland und Europa spricht. Russland ist ein Teil Europas“, sagte der Botschafter.

Die Beziehungen Russlands zur Nato werden nach Ansicht Rogozins jedoch durch die Menschenrechtsrhetorik der westlichen Partner stark erschwert. Der russische Diplomat äußerte nochmals den russischen Widerstand gegen die Idee der Nato-Erweiterung und den Einschluss Georgiens und der Ukraine. „Russen und Ukrainer sind wie ein Volk. Wir wollen natürlich nicht, dass ukrainische Generäle im Nato-Hauptquartier sitzen und man gemeinsam Pläne gegen Russland schmiedet.“ Die neuen Nato-Mitglieder leiden nach Rogozins Auffassung an einem Minderwertigkeitskomplex gegenüber Russland. „Ich habe einen osteuropäischen Kollegen in Brüssel gefragt, warum sein Land alles tut, um das Verhältnis zu Russland zu verschlechtern. Er hat mir geantwortet, dass sonst niemand sein Land beachten würde.“

Für Deutschland dagegen hat Rogozin freundliche Worte. „Deutschland ist ein treuer Verbündeter Russlands in Europa.“ Er bedauert, dass der Kauf von Opel durch Magna und die russische Sberbank gescheitert ist. Aber ansonsten sieht er die deutsche Kooperation mit Russland positiv. „Russland und Deutschland sind zwei große Bären im Wald, sie müssen zusammenbleiben und Hand in Hand gehen“, schloss der russische Diplomat seine Rede.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 07.11.2009)
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