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TEHERAN

Der Hass der Mullahs

30 Jahre nach der Besetzung der US-Botschaft in Teheran machen Hardliner auf den Straßen mobil – die Opposition hält dagegen. Mohsen Mirdamadi, der Studentenheld von damals, wirft seit Jahren Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad vor, seine Regierung werde immer mehr zu einer Diktatur.
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Teheran: Studenten stürmen am 4. November 1979 die US-Botschaft. - Foto: pa/dpa/dpaweb
Die amerikanischen Geiseln von damals hatten ihn als „besonders widerlich“ in Erinnerung. Heute sitzt er selbst fest, als Oppositioneller im Evin-Gefängnis. Vor 30 Jahren gehörte Mohsen Mirdamadi zum Anführertrio der rund 400 iranischen Studenten, die am 4. November 1979 gegen 11.30 Uhr die amerikanische Botschaft in Teheran besetzten und alle Diplomaten gefangen nahmen. Erst nach 444 Tagen kamen die 52 Geiseln frei. Das beendete die politisch wohl teuerste und folgenschwerste Aktion in der Geschichte der Islamischen Republik.

So rührte der Westen keinen Finger, als Saddam Hussein 1980 seinen Nachbarn angriff und ihm einen achtjährigen Krieg aufzwang. Die diplomatischen Beziehungen zu den USA sind seit 1980 abgebrochen. Ein Umstand, der erheblich zur internationalen Isolation des Iran beiträgt. Im Land selbst war der 4. November Jahr für Jahr Anlass für „Tod Amerika“-Aufmärsche und hasserfüllte Reden – mit revolutionärer Routine veranstaltet auf den Straßen nahe der früheren US-Mission.

Doch diesmal, ausgerechnet am 30. Jahrestag, ist alles ganz anders. Mirdamadi, dem Studentenhelden von damals, wird heute vor einem Revolutionstribunal in Teheran der Schauprozess gemacht. Seit Jahren wirbt er für eine Entspannung im Verhältnis zu den Vereinigten Staaten und wirft Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad vor, seine Regierung werde immer mehr zu einer Diktatur. Die Ankläger dagegen beschuldigen ihn, einen Umsturz geplant zu haben, und wollen ihn zusammen mit zahlreichen anderen Reformern für Jahre hinter Gitter bringen.

„Der grünste Tag des Jahres naht“, schrieb Oppositionsführer Mir-Hossein Mussawi kürzlich in seiner 14. Internetbotschaft seit den umstrittenen Präsidentschaftswahlen im Juni. Der 4. November solle alle daran erinnern, „dass es das Volk ist, was regiert”. Und so wollen die Anhänger der beiden Reformkandidaten Mussawi und Mehdi Karubi – wie beim Jerusalemtag vor sechs Wochen – auch diesmal den Jubiläumskalender der Islamischen Republik nutzen, um ganz grün und ganz legal wieder auf die Straße zu gehen. Die Versammlung kämpfender Kleriker, zu der der frühere Präsident Mohammed Chatami gehört, rief das Volk ebenfalls zu friedlichen Protesten auf, ermahnte die Menschen aber, „nicht zur Gewalt zu greifen, wenn sie angegriffen werden“.

Denn auch die Hardliner machen mobil. So kündigten die regimetreuen Basij- Milizen an, für Aufmärsche in Teheran drei Millionen Uniformierte zu aktivieren, deren schiere Zahl die Auftritte der Opposition erdrücken soll. „Das sind alles irregeführte Leute, die auf den revolutionären Errungenschaften herumtrampeln wollen”, drohte Basij-Kommandeur Mohammad Saleh Jokar. Irans Vize-Polizeichef stellte klar, man werde hart und entschieden gegen jede „illegale Versammlung” vorgehen. Am Dienstag schließlich feuerte der oberste Religionsführer Ali Chamenei noch eine rhetorische Salve in Richtung Washington. „Jedes Mal, wenn sie ein Lächeln auf dem Gesicht zeigen, verstecken sie den Dolch hinter dem Rücken”, sagte er. Die Opposition warnte der Ajatollah vor „bösen Absichten gegen die Regierung”. Man werde nicht tatenlos zusehen, „wenn jetzt der rote Teppich für die USA ausgerollt wird“.

(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 04.11.2009)
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Comment
von pauline-luise pauline-luise ist gerade offline | 4.11.2009 14:07 Uhr
Was will die Opposition?
Wenn sie am Jahrestag der Besetzung der Amerikanischen Botschaft auf die Straße geht, enthält das die Mitteilung: wir wollen zurück zu den Zuständen vor 1979, als der Schah mitsamt seinem fürchterlichen Geheimdienst als engster Verbündeter der Amerikaner regierte. Auf diesem Hintergrund ist auch die Protestaktion der Besetzung der amerikanischen Botschaft von damals zu sehen.
Eine "samtene" Revolution sieht anders aus: kein Umkippen nach zurück, sondern ein Weitergehen als Partner hinsichtlich der Amerikaner. Und das müßten sowohl Regierung als auch Opposition können.

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