Politik : A bisserl Einfluss

Wie Leo Kirch mit Deutschlands Fußballfunktionären verbunden war

Armin Lehmann

Franz Beckenbauer, die Lichtgestalt des deutschen Fußballs, pflegte es so auszudrücken: „A bisserl Einfluss“ habe er schon. Und weil das so ist, wollte Leo Kirch nicht auf das Wort des „Fußball-Kaisers“ verzichten. Beckenbauer gehört zu den Entscheidern im Sport: Er ist Aufsichtsratsvorsitzender des FC Bayern München, vor allem ist er Chef des Organisationskomitees für die WM 2006 im eigenen Land. Dass es hilfreich sein kann, mit so jemandem einen sehr lukrativen Kommentatoren-Vertrag für Kirchs Abo-Sender Premiere zu vereinbaren, versteht sich.

Seinerzeit war Kirch noch nicht insolvent, besaß die Fußball-Fernsehrechte an der WM 2002 und 2006 und versuchte, Premiere mit der Marke Fußball flächendeckend in Deutschland zu vermarkten. Gescheite Lobbyisten sind da brauchbar.

Zum Beispiel Fedor Radmann, der seit Jahren für den deutschen Fußball Wirtschaftskontakte herstellt. Mit Beckenbauer zusammen hat er fast im Alleingang die WM 2006 nach Deutschland geholt. Auch er hatte einen Beratervertrag mit Kirch, über dessen genauen Inhalt man nicht allzu viel weiß. Klar ist nur, auch Radmann wird für Kirch geworben haben. Er ist Vizechef des Organisationskomitees (OK) für die WM 2006 – und Beckenbauer sein Chef. Und so hatte dieser auch nichts gegen den Kirch-Vertrag Radmanns einzuwenden.

Zufällig ging zudem der Zuschlag für das Medienzentrum der WM nach München, so dass mancher böse Journalist vermutete, Radmann könnte als OK-Vize etwas damit zu tun haben. In München liegt das Medienzentrum genau vor der Tür Kirchs, dessen Tochter KirchMedia auch nach der Insolvenz die Senderechte für die WM 2006 behalten hat. Im Fußball-Weltverband Fifa wunderte man sich etwas. Tatsächlich hatte die Fifa Düsseldorf als die am besten geeignete Stadt für das Zentrum vorgeschlagen.

Dass schließlich der FC Bayern noch einen Geheimvertrag mit Leo Kirch besaß, für den er nun drei Millionen Euro Strafe an die Deutschen Fußball-Liga berappen muss, störte Beckenbauer auch nicht weiter. Schließlich war es unter anderem Bayern-Manager Dieter Hoeneß, der bei jeder Gelegenheit auf die Zukunft von Premiere verwies und polterte, die Deutschen seien nur zu träge für solcherlei Neuheiten. Nun weiß man „a bisserl“ genauer, wie das so funktioniert mit Beckenbauers Einfluss.

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