Politik : A bisserl Persönliches

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Foto: Rückeis

AUF ZU DEN LINDEN!

Von Helmut Thoma

Endlich mal was Neues, was Ausgefallenes habe ich gedacht: ein Duell, Kanzler gegen Herausforderer, Mann gegen Mann. Was seine Vorgänger immer abgelehnt haben, hat sich Gerhard Schröder getraut. Er hat die Herausforderung seines Gegners zum Wortduell angenommen. Ein echter Haudegen, der Schröder. Das kann man von seinen Beratern nicht gerade behaupten, die diesem seltsamen Regelwerk für das Fernseh-Gefecht zugestimmt haben. Mal ehrlich, das ist doch so, als ob man in einem Boxkampf den beiden Gegnern erklärt, dass sie sich bloß nicht zu Nahe kommen dürfen. Stattdessen lässt man sie einfach auf einen Punchingball einhauen und misst anschließend ihren Schweißverbrauch.

Das ist doch witzlos. Und genauso war auch das TV-Duell: fade, trocken, ohne Humor. Ein Fernsehformat, das die Welt so nicht braucht. Profitiert hat davon einzig und allein Edmund Stoiber, während Schröder den ganzen Abend weit unter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Das stumpfe Monologisieren liegt ihm halt nicht: Er läuft erst in der direkten Auseinandersetzung zu Hochform auf. Aber miteinander zu diskutieren war ja verboten. Als Schröder es einmal gewagt hat, das Wort direkt an Stoiber zu richten, hat er sich sofort einen Tadel der gestrengen Moderatoren eingefangen. Die haben ja auch penibel immer wieder den Zeitkontenstand verlesen. Der tiefere Sinn der Zeitkonten ist mir übrigens bis heute verborgen geblieben. Ich fand das ganze Sendekonzept entsetzlich kompliziert und langweilig. Und ganz ähnlich wird es wohl auch den meisten Fernsehzuschauern ergangen sein. Denn die wollten den Menschen Schröder und den Menschen Stoiber sehen. A bisserl was Persönliches halt. War aber nicht. Und deshalb wage ich an dieser Stelle, die (nicht allzu kühne) Prognose, dass auch das zweite TV-Duell am heutigen Sonntag nicht wesentlich spannender werden wird.

Der Autor ist Medienbeauftragter des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und führte lange Jahre die Geschäfte des Fernsehsenders RTL. Bis zum 22. September lesen Sie an dieser Stelle täglich Stimmen zur Wahl.

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