Politik : Aandazwanzeeen

Cordula Eubel

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

In weißen Windjacken, eine Schirmmütze mit rotem Rand auf dem Kopf, stehen sie auf Deutschlands Bahnhöfen. So wie neulich, am Berliner Ostbahnhof, vor dem Durchgang zu den Bahngleisen. „Aaandazwanzeeen“, nuscheln sie und halten einem eine knallrote Broschüre entgegen. Schon wieder ein neues Restaurant, das zur Eröffnung einen Rabatt von 25 Prozent auf alle gemischten Vorspeisenteller gibt?, fragen sich die vorbeieilenden Passanten. Oder doch der Werbeprospekt eines Mobilfunkunternehmens, das kurz vor Weihnachten die Menschen zum Kauf eines neuen Handys animieren will?

Wer prinzipiell den Papiermüll, der einem auf dem Weg in die S-Bahn entgegengereicht wird, nicht einsteckt, dem bleibt verborgen, was die jungen Menschen mit den Schirmmützen eigentlich wollen. Es sei denn, man wirft einen Blick auf die Homepage der Bundesregierung.

Dort erfährt man in einer Pressemitteilung, was „Aaandazwanzeeen“ auf Regierungsdeutsch übersetzt heißt: „Guten Tag, darf ich Ihnen die Broschüre ,Agenda 2010 – Deutschland bewegt sich’ der Bundesregierung mitgeben?“ Denn mit diesem Satz, so lassen es uns die Kommunikatoren der Bundesregierung wissen, werde die Informationsbroschüre an Deutschlands Bürger und Bürgerinnen verteilt. Eine ganze Woche seien 190 Teams mit je zwei Personen auf 116 Bahnhöfen im gesamten Bundesgebiet unterwegs. Daten, Fakten, Hintergrundinformationen und Servicetelefonnummern verschafften auf 60 Seiten den Überblick über alle Reformen.

Gleichzeitig tagt im Vorweihnachtstrubel hinter verschlossenen Türen der Vermittlungsausschuss.

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