Abgesagte Wahlkampfauftritte : Das anmaßende Verhalten der türkischen Regierung

Deutschland lebt, was wir von anderen fordern. In der Türkei ist das gerade anders. Ein Kommentar.

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Böse Miene zum bösen Spiel. Bundeskanzlerin Merkel und Staatspräsident Erdogan.
Böse Miene zum bösen Spiel. Bundeskanzlerin Merkel und Staatspräsident Erdogan.Foto: Michael Kappeler/ dpa

Wie der türkische Außenminister gerade über Deutschland redet, was er an Wohlverhalten verlangt, und vor allem, in welcher Art – da möchte man ihm zurufen: Jetzt aber mal ganz vorsichtig. Die Türkei braucht den Westen, braucht Deutschland mehr, als das Erdogan-Regime glauben machen will. Die Bundesrepublik als böser, als faschistischer Gegenspieler? Ein Popanz.

Niemand war je so geduldig wie die Bundeskanzlerin mit Erdogan. Obwohl es nun wirklich eine Anmaßung, wenn nicht gar Größenwahn ist, dass Minister seines Landes, in dem die Pressefreiheit mit Füßen getreten wird, glauben, die Regierung Merkel genau darüber belehren zu dürfen. Ja, wir leben hier, was wir von anderen fordern.

Hierzulande werden nicht ganze Medienhäuser unter Druck gesetzt. Hierzulande entscheiden die Kommunen selbst, ob sie Wahlkampfauftritte bei sich zulassen können, wenn die Sicherheit infrage steht. Hierzulande gibt es keine Atmosphäre der Einschüchterung. Aber in der Türkei. Dort soll eine Gleichschaltung vollzogen werden: alle und alles für Erdogan. Ankaras Vorstellung von Wohlverhalten ist nicht unsere. Und das muss auch so bleiben.

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