Abhörskandal : Auch Berlusconi wurde bespitzelt

Schon wieder eine Bespitzelungsaffäre in Italien. Prominenteste Opfer der Finanzbeamten sind der ehemalige Ministerpräsident Silvio Berlusconi und sein amtierender Nachfolger Romano Prodi.

Rom - Wie die Mailänder Staatsanwaltschaft bestätigte, wurden neben Ministerpräsident Romani Prodi und seiner Frau Flavia Franzoni unter anderem auch sein Vorgänger Silvio Berlusconi, Staatspräsident Giorgio Napolitano sowie dessen Vorgänger Carlo Azeglio Ciampi von italienischen Finanzbeamten jahrelang rechtswidrig ausgeforscht. Nach Informationen der italienischen Medien wurden auch zahlreiche Sportler und Stars bespitzelt, unter ihnen laut "La Repubblica" die beiden Fußballstars Francesco Totti und Alessandro Del Piero.

Insgesamt stehen den Angaben zufolge 127 Beamte der Finanzämter und der Finanzpolizei im Verdacht, sich illegal Zugriff zu den Steuerunterlagen der Betreffenden verschafft zu haben, um deren Finanzgebaren auszukundschaften. Das Motiv für die illegalen Machenschaften blieb zunächst im Dunkeln.

Berlusconi: ein "Streich"

Der stellvertretende Wirschaftsminister Vincenzo Visco der Mitte-links- Regierung sprach von einer politisch beabsichtigten Bespitzelung. Oppositionsführer Silvio Berlusconi nannte die Affäre einen "Streich". In der Datenbank der Steuerbehörden habe es Anfang April, eine Woche vor den dann von Prodi gewonnenen Wahlen, die meisten illegalen Zugriffe gegeben, meldete die italienische Nachrichtenagentur Ansa.

Fahnder hatten am Donnerstag in ganz Italien rund 250 Wohnungen und Büros durchsucht. Im Mittelpunkt der illegalen Recherchen durch Angehörige der Steuer-, Zoll- und Finanzpolizei stünden Spenden, die Prodi gegeben habe, meldete Ansa. Sie hätten unerlaubterweise auch auf die Steuerakte von Prodis Ehefrau Flavia Franzoni zurückgegriffen.

Erst im September war in Italien eine groß angelegte illegale Abhöraktion aufgedeckt worden, bei der zahlreiche prominente Politiker, Sportler und Wirtschaftsführer über Jahre hinweg ausspioniert worden sein sollen.

(tso/AFP)

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