Politik : Abkühlen im Vatikan

Der Papst empfängt die CSU-Landtagsfraktion – und die grollt ihrem Parteichef

Gerhard Mumelter

Berlin/Rom - Kritik in luftiger Höhe: Wegen seines Wackelkurses bei der Regierungsbildung in Berlin musste sich CSU-Chef Edmund Stoiber während des Fluges der CSU-Landtagsfraktion zu einer Papst-Audienz nach Rom am Mittwoch deutliche Worte anhören. Nach Informationen von Spiegel-Online sagte Fraktionschef Joachim Herrmann in einer Begrüßungsansprache an Bord, es habe „in letzter Zeit Irritationen“ gegeben. „Wenn Bayern Bayern bleiben soll, dann muss sich was ändern.“ Nach den Worten von Innenminister Günter Beckstein habe es daraufhin für Herrmann „einen Riesen-Applaus gegeben“.

Im Vatikan führte Papst Benedikt XVI. in seiner Bibliothek zunächst ein 15-minütiges privates Gespräch mit Stoiber und dessen Frau Karin. Dabei habe sich der Papst auch nach den Beweggründen für seine Entscheidung erkundigt, in München zu bleiben, berichtete Stoiber. „Er hat Verständnis für mein Umdenken gezeigt“, versicherte der bayerische Ministerpräsident. Er habe sich mit dem Papst auch „über die christlichen Werte und vor allem über den Schutz des werdenden Lebens unterhalten“, sagte Stoiber. Danach empfing Benedikt die 150- köpfige Delegation der CSU. „Viele von uns kennen Joseph Ratzinger noch aus seiner Münchner Zeit“, sagte der bayerische Landtagspräsident Alois Glück, der die Begegnung mit dem Heiligen Vater als „eindrucksvoll“ beschrieb. Der Papst würdigte die Rolle der theologischen Hochschulen in Bayern. Die Jugend benötige „neben einer technologisch-wirtschaftlichen Ausbildung auch eine Auseinandersetzung mit dem geistigen Erbe Europas“.

Nach der Audienz, bei der Stoiber die Hoffnung äußerte, Benedikt XVI. bald in seiner bayerischen Heimat begrüßen zu dürfen, traf sich die CSU-Delegation zum Mittagessen in einer Osteria nahe der Piazza Navona. „Unser Ausflug nach Rom trägt zur Entspannung der aufgeheizten Atmosphäre bei“, versicherte Glück. Stoiber müsse aber teamfähiger werden und seinen Teil zur Verständigung beitragen. Die verhinderten Stoiber-Nachfolger Günter Beckstein und Erwin Huber gaben sich versöhnlich. Es sei „nicht optimal gelaufen“, sagte Beckstein. „Nun brauchen wir ein besseres Klima und neuen Schwung“. Huber erklärte, eine Beichte beim Papst sei nicht angebracht gewesen, da „die Sünden der CSU öffentlich“ seien. Stoiber gab zu, daß das Klima in der Partei „angeschlagen“ sei.

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