Politik : Abpfiff

Matthias Meisner

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Keine Blumen, kein Brief, kein Dankeschön – als sich das irakische Fußball-Nationalteam dieser Tage als Gruppenerster für die asiatischen Meisterschaften qualifizierte, versagte sich Paul Bremer, der Leiter der US-Zivilverwaltung in Bagdad, jede Reaktion. Und Bernd Stange, der Nationaltrainer der Iraker, war sauer, wieder einmal. Ging zu den Kollegen der Nachrichtenagentur Reuters und klagte über mangelnde Unterstützung der US-Zivilverwaltung. „Ich bin es leid, um Geld für meine Spieler und mich zu betteln.“ Und drohte gleich noch: „Lange halte ich nicht mehr durch.“

So könnte eine Mission bald zu Ende gehen, die von Beginn an höchst umstritten war. Stange, früherer Auswahlcoach der DDR, hatte sich schon vor einem Jahr aufgemacht in den Irak. Da war Saddam Hussein noch an der Macht und Stange nach seiner Entlassung als Nationaltrainer des Oman ein Jahr arbeitslos. Trainerkollegen und der DFB waren empört. Stange rechtfertigte sich, er müsse sich nur zu sportlichen Fragen und nicht politisch öffentlich äußern.

Nun genießt der Nationaltrainer die neue Meinungsfreiheit. Stange meint, dass doch gerade der Fußball, die beliebteste Sportart im Irak, helfen könne, Stabilität und Normalität in das vom Krieg erschütterte Land zu bringen. Nur die Amerikaner scheinen das nicht zu kapieren. Die Behörden fürchten Probleme, weil wohl viele Zuschauer bewaffnet zu einer Meisterschaft kommen würden. Womöglich fürchtet Bremer auch eine Niederlage, sollten irgendwann mal tatsächlich die Mannschaften der USA und des Irak bei einem Freundschaftsspiel aufeinander treffen. So bleibt es erstmal beim Abpfiff – vor Spielbeginn.

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