Abrechnung : Beck: "Näher an der Realität als Müntefering"

Gerade hatte sich der Trubel um die Personalentscheidungen der SPD gelegt, da kommt Kurt Beck mit neuem Sprengstoff um die Ecke: Seine Autobiografie wird demnächst über die Ladentische gehen.

Beck und Müntefering
"Nicht unproblematisch": Das Verhältnis Müntefering und Beck. -Foto: dpa

BerlinDer zurückgetretene SPD-Chef Kurt Beck hat sich erstmals ausführlich über die näheren Umstände seines Sturzes vor zwei Wochen geäußert. In seiner Autobiografie ("Kurt Beck. Ein Sozialdemokrat"), aus der die "Bild"-Zeitung am Montag erste Auszüge veröffentlichte, kritisierte er zugleich seinen designierten Nachfolger Franz Müntefering. Das Verhältnis zu dem ehemaligen Vizekanzler bezeichnete Beck als "nicht unproblematisch".

Wörtlich heißt es in der Biografie über Müntefering: "Unser Politikstil, die Art, Machtfragen zu klären, sind schwer vereinbar. In der Zeit, als Franz Müntefering Vizekanzler war und ich die Partei führte, resultierten gewisse Schwierigkeiten daher, dass er sehr darauf bedacht war, sich in der Bandbreite des Koalitionsvertrags zu bewegen."

Beck näher an der Realität als Müntefering

Und er fügt hinzu: "Als SPD-Vorsitzender bemühte ich mich um ein eigenständigeres Profil der Sozialdemokraten. An diesem Punkt gingen die Meinungen von mir und Franz Müntefering auseinander. Es war schwierig, mit ihm Perspektiven zu erarbeiten, die darüber hinausreichten." Über sich selbst schreibt der rheinland-pfälzische Ministerpräsident: "Und da behaupte ich, dass ich näher an der Realität des Lebens bin, als es manch anderer ist (...)."

Zur Vorgeschichte seines Rücktritts schreibt Beck: "Im März 2008 ist mir ein schon oft eingestandener Fehler unterlaufen. Nach den Landtagswahlen in Niedersachsen hatte sich herausgestellt, dass die Linke doch in die Landtage wichtiger westdeutscher Flächenländer einziehen konnte." Und er räumt ein, damit die eigene Kanzlerkandidatur verspielt zu haben: "In dieser Krise habe ich durch die Ankündigung einer richtigen Konsequenz zum falschen Zeitpunkt meine bis dahin vorhandene Chance eingebüßt, selbst als Spitzenkandidat der SPD in den Bundestagswahlkampf zu ziehen."

Anfang September habe es dann Absprachen mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Müntefering gegeben, ein kleines "Kanzlerteam" als politisch verantwortliche Wahlkampfleitung zu berufen. Vor der Bekanntgabe von Steinmeiers Kanzlerkandidatur sei die Entscheidung dann aber schon durchgesickert. "Es war also klar, die gezielten Angriffe auf mich und meine Arbeit würden nicht nur fortgesetzt, es kam nun der Verdacht eines Bruchs der Vertraulichkeit hinzu, den ich gegen das unmittelbare Umfeld der Beteiligten hege." (mpr/ddp/dpa)

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