Abreise : Papst zufrieden mit Deutschland-Besuch

Bei seinem Abschied auf dem Münchner Flughafen hat Benedikt XVI. eine positive Bilanz seines Bayern-Besuchs gezogen. Der Papst beklagte zudem die Ausbeutung auf dem Arbeitsmarkt und den Priestermangel in Europa.

München/Freising - Papst Benedikt XVI. ist zufrieden mit seinem Besuch in Bayern. Das Oberhaupt der katholischen Kirche betonte vor seinem Rückflug nach Rom, die Reise habe ihm "neue Kraft" gegeben. Er trage in seinem Herzen unauslöschlich "den bewegenden Eindruck, den die Begeisterung und die starke Religiosität der großen Massen von Gläubigen in mir ausgelöst hat".

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann, zog ebenfalls ein positives Fazit des sechstägigen Papstbesuches. Man müsse nun sorgfältig überlegen, welche Impulse die katholische Kirche aufnehmen und "mit Nachhaltigkeit pflegen" könne. Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) sprach von einem "historischen Ereignis".

Frenetischer Empfang in Freising

Auch an seinem letzten Besuchstag wurde der Papst von Tausenden Menschen umjubelt. In Freising war der Domberg gesäumt von Gläubigen und Schaulustigen, die das Kirchenoberhaupt mit "Benedetto"-Rufen empfingen und gelb-weiße Vatikanfähnchen schwenkten.

Der Papst war selbst 1951 im Freisinger Dom zusammen mit seinem Bruder Georg Ratzinger und 40 anderen Diakonen zum Priester geweiht worden. In der Konkathedrale des Erzbistums weihte er in den Jahren von 1977 bis 1982 als Erzbischof von München und Freising Priester.

Benedikt beklagt Priestermangel

In seiner Rede im Dom ging der Papst noch einmal auf den Priestermangel ein und ermunterte dazu, sich für diese Arbeit zu entscheiden. Er erinnerte an das Motto seiner Reise: "Wer glaubt, ist nie allein." Kardinal Lehmann wandte sich gegen den Vorwurf mangelnder ökumenischer Signale des Papstes und betonte, man könne auch "zwischen den Zeilen" lesen.

Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Friedrich Wetter, freute sich über die große Anteilnahme der Menschen am Papst-Besuch. Es werde zwar "in den nächsten Tagen keine Massenbekehrungen geben". Er sei aber überzeugt davon, dass der Besuch des Papstes bei unzähligen Menschen eine "tiefe Wirkung" hinterlasse.

Abschiedsansprache in München

In seiner Abschiedsansprache auf dem Münchner Flughafen setzte sich Benedikt XVI. für die Beachtung der Menschenwürde auch auf dem Arbeitsmarkt ein. Er sei nach Deutschland gekommen, um seinen Landsleuten die Wahrheiten des Evangeliums auch als gegenwärtige Wahrheiten nahe zu bringen. Im Wort von Jesus Christus lasse sich der Weg finden, "um nicht nur die ewige Glückseligkeit zu erlangen, sondern auch um eine menschenwürdige Zukunft schon auf dieser unserer Erde zu bauen".

Der Papst verwies darauf, dass vor genau 25 Jahren die "Enzyklika Laborem Exercens" von Papst Johannes Paul II. veröffentlicht wurde. Dieses Werk enthalte "einige Orientierungen, die bis heute aktuell sind".

Papst prangert "Ausbeutung" auf dem Arbeitsmarkt an

In der Enzyklika heißt es unter anderem, die erste Grundlage für den Wert der Arbeit sei "der Mensch selbst". Es gebe eine berechtigte Sorge, der Mensch könnte in der Arbeit "eine Herabsetzung seiner Würde erleiden". So könne man in verschiedener Weise den arbeitenden Menschen "ausbeuten". All dies spreche "für die moralische Verpflichtung, den Fleiß als Tugend mit einer sozialen Ordnung zu verbinden, die es dem Menschen erlaube, in der Arbeit mehr Mensch zu werden, statt sich ihretwegen zu erniedrigen".

Benedikt XVI. sagte, die Enzyklika besitze "durchaus prophetischen Wert". Er sei sicher, dass die praktische Anwendung des Textes "auch für die heutige gesellschaftliche Situation Deutschlands von großem Nutzen sein wird".

Der Papst kehrte am Nachmittag nach Italien zurück. Sein Flugzeug landete um 14.37 Uhr auf dem militärischen Teil des Flughafens Ciampino. Von dort fuhr der Papst in seinen Sommersitz Castel Gandolfo. (tso/ddp)

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