Politik : Abscheu und Jubel

Das Todesurteil gegen Ex-Diktator Saddam Hussein spaltet den Irak und die arabische Welt

Andrea Nüsse[Kairo]

Trotz der Ausgangssperre sind Anhänger und Gegner Saddam Husseins im Irak am Montag auf die Straußen gegangen. Während im von Schiiten dominierten Hilla südlich von Bagdad etwa 500 Menschen das Todesurteil gegen den früheren Diktator begrüßten, demonstrierten in Samarra und Bakuba Hunderte dagegen. Aus Angst vor Ausschreitungen gilt seit Sonntagmorgen auf unbestimmte Zeit eine Ausgangssperre in Bagdad und vier Provinzen. Auch der internationale Flughafen blieb geschlossen. Ausschreitungen blieben aber bisher aus.

Doch das Todesurteil gegen Saddam Hussein spaltet nicht nur Iraks Bevölkerung. Auch in der arabischen Welt und Iran fielen die Kommentare gegensätzlich aus. In Iran, den der Irak 1980 angegriffen und mit einem achtjährigen Krieg überzogen hatte, und in Kuwait, das der Diktator 1991 besetzte, wurde das Urteil begrüßt. In sunnitisch dominierten Ländern, in denen der Sunnit Saddam Hussein als panarabischer Held gefeiert wurde und das Misstrauen gegenüber Schiiten groß ist, wurde das Urteil als Schlag gegen Iraks Sunniten gewertet. Viele Regierungen in sunnitischen Ländern verzichteten auf eine Stellungnahme. Ein Sprecher der jordanischen Regierung, die enge Wirtschaftsbeziehungen zum Saddams Regime gepflegt hatte, bezeichnete das Urteil als „interne irakische Angelegenheit“, das den „Willen des Establishments“ zum Ausdruck bringe.

„Die Schlinge für den Diktator“ oder „Freude für Irak“ titelten dagegen iranische Zeitungen. „Der Tod ist die Mindeststrafe für seine Verbrechen“, schrieb der frühere Sprecher des Außenministeriums, Hamid Resa Asefi, in der Tageszeitung „Hamschari“. Allerdings erinnerten viele Zeitungen daran, dass die USA Saddam Hussein im Krieg gegen Iran unterstützt hatten. So wurde in „Hamschari“ der Verdacht geäußert, die USA wollten mit dem schnellen Urteil verhindern, dass die Verbrechen des Irak-Iran-Krieges vor Gericht untersucht werden. In Kuwait waren bereits am Sonntag Freudenszenen in der Börse und auf den Straßen zu sehen. In den Palästinensergebieten, mit denen Saddam Hussein sich zumindest verbal solidarisch gezeigt hatte, wurde das Urteil als Siegerjustiz verurteilt. Die Zeitung der Autonomiebehörde, Al Hajat al Jedid, nannte mit Blick auf die USA diejenigen, die das Urteil begrüßen, „lächerlich, weil sie selber Mörder sind, die nicht zur Rechenschaft gezogen werden“. Die größte palästinensische Zeitung „Al Quds“ kritisierte, dass Verfahren sei weder „frei noch fair“ gewesen. In den staatlichen ägyptischen Zeitungen wurde dagegen nur in Agenturmeldungen über das Urteil berichtet. Präsident Mubarak äußerte sich bisher nicht. Allein die „Ros al Jousef“ wagte die kommentierende Schlagzeile: „Das dümmste Urteil der Geschichte“.

Italien und Frankreich appellierten am Montag an den Irak, das Todesurteil gegen den früheren Präsidenten nicht zu vollstrecken. Dessen Exekution wäre ethisch falsch und könnte einen Bürgerkrieg provozieren, warnten die Außenminister beider Länder.

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