Politik : Abschiebung nach Sri Lanka: Reisende soll man aufhalten

Eckhard Stengel

Reisen Sie nicht nach Sri Lanka, warnt das Auswärtige Amt deutsche Touristen, seitdem die tamilische Separatistenbewegung LTTE den Flughafen in der Hauptstadt Colombo attackiert hat. Doch die Sicherheitsbedenken gelten nicht für alle: Für Tamilen, die hier Schutz gesucht haben, gibt es bisher keinen ausdrücklichen Abschiebestopp.

Allein in Bremen, einer Hochburg tamilischer Flüchtlinge, sollen nach Darstellung des Internationalen Menschenrechtsvereins Bremen 30 abgelehnte Asylbewerber in das asiatische Bürgerkriegsland abgeschoben werden. Markus Beyer, Sprecher der CDU-geführten Innenbehörde, kennt keine genauen Zahlen, bestätigt aber, dass der Flughafen-Anschlag derzeit keinen Anlass für einen Abschiebestopp biete. Für die nächsten Tage seien ohnehin keine "Rückführungen" geplant. "Die Lage beruhigt sich ja auch wieder", meint Beyer. Vor Jahren habe es einen bundesweiten Abschiebestopp gegeben, aber der sei wegen der "Großwetterlage" in dem Inselstaat inzwischen "gelockert" worden. Dass sich die Lage allgemein normalisiert habe, finden die Betroffenen allerdings nicht. Ein 24-Jähriger, der seit 1994 in Bremen lebt und Arbeit in einem Restaurant gefunden hat, fürchtet, dass er verhaftet, gefoltert und dann womöglich als "spurlos verschwunden" gemeldet wird. Im zentralen Bürgerkriegsgebiet im Norden der Insel "kann man nicht leben", findet er, und in Colombo, nach Lesart deutscher Behörden und Gerichte eine innerstaatliche Fluchtalternative, werde er als junger Tamile womöglich gleich als LTTE-Sympathisant eingestuft und verfolgt - zumal er in Bremen in einer "Solidaritätsgruppe für das Selbstbestimmungsrecht der Tamilen" mitarbeite.

Carola Praß vom Menschenrechtsverein in Bremen war vor Wochen selber in Sri Lanka. Sie bestätigt, wie schnell junge Tamilen in LTTE-Verdacht geraten. Viele von ihnen könnten es in Colombo nicht wagen, ihr Haus zu verlassen. Doch vor deutschen Behörden und Gerichten "kann man vorweisen, was man will" - nichts könne die angelaufene Abschiebewelle stoppen. Ihr Kollege Viraj Mendis meint, die Bundesregierung ignoriere die Menschenrechte der Flüchtlinge, damit nicht die Wirtschaftsbeziehungen zu Sri Lanka belastet würden.

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