Abschiedstour : Bush lässt sich in Afrika feiern

US-Präsident George W. Bush reist mit breiter Brust nach Afrika. Im Unterschied zu anderen Welt-Regionen kann der Republikaner hier unbestrittene Erfolge vorweisen. Nie zuvor hat ein US-Präsident so viele Gelder für den Kampf gegen Unterentwicklung und Krankheiten in Afrika durchgesetzt wie Bush während seiner Amtszeit.

Laszlo Trankovits

WashingtonAls "eine Priorität meiner Präsidentschaft haben die USA ihre Afrikapolitik fundamental verändert", sagte Bush zufrieden kurz vor seiner Abreise aus Washington. Kein Wunder, dass Bush deshalb auf "keinem Kontinent beliebter ist als in Afrika", erklärt der Politik-Wissenschaftler und Ex-Diplomat Tony Holmes vom Politikinstitut CFR in Washington.

Konflikte ausblenden

Bei seiner zweiten Afrikareise besucht der US-Präsident zusammen mit seiner Frau Laura eher kleine Staaten, die in ihrem Ringen um wirtschaftliche und demokratische Fortschritte besonders erfolgreich sind: In Benin, Tansania, Ruanda, Ghana und Liberia werden die bitteren Konflikte des Kontinents wie in der sudanesischen Provinz Darfur, in Kenia, in Simbabwe oder im Kongo zwar angesprochen werden, im Fokus stehen aber die positiven Beispiele.

Bush sieht den Kontinent trotz aller blutigen Bürgerkriege und Kämpfe grundsätzlich auf einem guten Weg: "Die Demokratie schreitet voran, die Volkswirtschaften wachsen und die Führer begegnen den Herausforderungen zielstrebig und entschlossen", malt er das Bild Afrikas verallgemeinernd rosig.

Wachsende strategische Bedeutung

Sein Sicherheitsberater Stephen Hadley war da schon etwas vorsichtiger, vor allem wenn es um die Lösung der Probleme in Krisengebieten wie Darfur geht: "Was wir sehen ist Fortschritt. Ein sehr langsamer Fortschritt, der Präsident würde sagen, ein zu langsamer Fortschritt."

Aus Sicht des Weißen Hauses hatten die USA in den vergangenen Jahren ihren Anteil an der guten Entwicklung. Schließlich habe Washington maßgeblich zu der Befriedung der Konflikte in Liberia, Sierra Leone, Angola und Burundi beigetragen. Zudem belohnten die USA Demokratisierungsprozesse und den Kampf gegen Korruption mit viel Wirtschaftshilfe und Schuldenerlass - sicher auch mit Blick auf die wachsende strategische Bedeutung des Kontinents und den wachsenden Einfluss Chinas.

Kampf gegen Krankheiten

Vor allem aber haben die USA humanitär geholfen. Für die Bekämpfung der in Afrika wütenden Krankheiten Aids und Malaria sowie für die Versorgung von Millionen kranker Menschen wurden die Finanzhilfen drastisch erhöht.

15 Milliarden Dollar (10,2 Milliarden Euro) stellte Washington seit 2003 zur Verfügung - und Bush versucht den Kongress davon zu überzeugen, diese Summe noch einmal zu verdoppeln. "Die größte Bedrohung Afrikas sind Krankheiten", meinte der US-Präsident".

Presse bleibt zuhause

Bush will mit seiner Reise auch in den USA für eine weitere großzügige Unterstützung Afrikas nach seiner Präsidentschaft werben. Allerdings droht der Präsidenten-Trip zu Hause weitgehend unbeachtet zu bleiben. Schließlich tobt der erbitterte Vorwahlkampf bei den Demokraten, hat die Präsidentschaftswahl im November die Amerikaner längst in ihren Bann gezogen.

Viele können den Auszug Bushs aus dem Weißen Haus kaum erwarten. Die mangelnde Aufmerksamkeit der US-Medien während seiner Afrikareise könnte Bush auch schmerzlich spüren lassen, dass er schon fast auf Abschiedstour - und für viele schon eine politisch "lahme Ente" ist. (dpa)

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