Abschuss durch die Türkei : Russland hat Flugschreiber von Kampfjet bekommen

Syrien hat Russland die Blackbox des abgeschossenen Kampfjets übergeben. Derweil spitzt sich ein Konflikt zwischen der Türkei und dem Irak zu - der hat nun die Nato um Hilfe gebeten.

Verteidigungsminister Sergei Shoigu (rechts) übergibt dem russischen Präsidenten Wladimir Putin den Flugschreiber des abgeschossenen Kampfjets.
Verteidigungsminister Sergei Shoigu (rechts) übergibt dem russischen Präsidenten Wladimir Putin den Flugschreiber des...Foto: Mikhail Klimentyev/Reuters

Zwei Wochen nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die Türkei hat Präsident Wladimir Putin den Fund des Flugdatenschreibers bekanntgemacht. "Ich bitte Sie, ihn gemeinsam mit ausländischen Spezialisten zu öffnen und alles zu dokumentieren", sagte Putin bei einem Treffen mit Verteidigungsminister Sergej Schoigu am Dienstag in Moskau.

Schoigu hatte die Blackbox in den Kreml gebracht. Das Gerät der Suchoi Su-24 sei vom syrischen Militär an der Absturzstelle gefunden worden, sagte der Minister. Putin betonte, er hoffe, dass der Flugschreiber Aufschluss darüber gebe, was am 24. November im türkisch-syrischen Grenzgebiet geschehen sei.

Die Blackbox könnte die angespannte Stimmung zwischen Russland und der Türkei weiter verschärfen. Die Führung in Ankara beharrt darauf, dass die Maschine den türkischen Luftraum verletzt habe und vor dem Abschuss mehrfach gewarnt worden sei. Moskau bestreitet beides und wirft dem Nato-Land "Verrat" vor.

Russland hat wegen des Zwischenfalls, bei dem einer der beiden Piloten starb, gegen die Türkei Sanktionen in Handel und Tourismus verhängt. Der überlebende Co-Pilot bekräftigt, dass das Flugzeug die türkische Grenze nicht verletzt und türkische F-16-Jets ohne Vorwarnung gefeuert hätten.

Russisches U-Boot feuert Raketen auf Ziele in Syrien ab

Der Nachrichtenagentur Tass zufolge hat Russland am Dienstag zudem erstmals im Syrien-Konflikt Raketen von einem U-Boot im Mittelmeer abgeschossen. Die Besatzung der "Rostow am Don" habe mehrere Marschflugkörper des Typs Kalibr gegen Ziele der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) eingesetzt, habe Verteidigungsminister Schoigu mitgeteilt. Ins Visier genommen worden seien zwei größere Stellungen in der IS-Hochburg Rakka. Dabei seien Waffenlager, eine Fabrik zur Herstellung von Minen und Öl-Infrastruktur zerstört worden. Israel und die USA seien im Vorfeld über die Pläne informiert worden, die Angriffe von einem U-Boot zu starten.

Der Agentur Interfax zufolge hat Russland das U-Boot vor die syrische Küste verlegt. Russland attackiert seit Ende September Ziele in Syrien mit Luftangriffen und auch mit Marschflugkörpern vom Kaspischen Meer aus und kooperiert mit dem syrischen Regime.

Für die Türkei spitzt sich unterdessen ein Konflikt mit dem Irak zu. Dessen Ministerpräsident Haidar al-Abadi hat Unterstützung der Nato im Streit um die Entsendung türkischer Soldaten in sein Land gefordert. Er habe dazu am Dienstagabend mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg telefoniert, berichtete das irakische Fernsehen. "Die Nato muss die Türkei auffordern, ihre Soldaten aus irakischen Gebieten zurückzuziehen", habe der Regierungschef erklärt.

Der Irak hatte das Nato-Land Türkei am Dienstag erneut zum Abzug seiner Soldaten von irakischem Boden aufgefordert. Zugleich beauftragte das Kabinett in Bagdad den Ministerpräsidenten damit, alle notwendigen Schritte gegen „die Verletzung der irakischen Souveränität“ zu unternehmen. Al-Abadi hatte der Türkei am Sonntagabend 48 Stunden gegeben, um die Einheiten abzuziehen. Nach irakischen Agenturberichten sollen Kampfflugzeuge mehrere Aufklärungsflüge über türkischen Stützpunkten im Norden Iraks unternommen hätten.

Auslöser des Konfliktes sind rund 150 Soldaten, die die Türkei mit mindestens 20 Panzern in den Nordirak geschickt hatte. Sie bilden dort unter anderem kurdische Peschmerga und sunnitisch-arabische Milizen aus, um die im Sommer 2014 vom "Islamischen Staat" eingenommene Metropole Mossul zurückzuerobern. Die irakische Regierung erklärte, sie habe nicht um Soldaten gebeten. (dpa, Reuters)


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