Absturz von Flug MH17 : Russland soll Satellitenbilder gefälscht haben

Nach dem Absturz des Malaysia-Airlines-Fluges MH17 in der umkämpften Ostukraine legte Russland Satellitenbilder als Beleg dafür vor, dass die Ukraine die Maschine abgeschossen hat. Nun beweist eine unabhängige Analyse: Die Aufnahmen wurden wohl per Photoshop manipuliert.

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Wer beschoss MH17? Die Satellitenbilder, die der Kreml nach dem Absturz veröffentlicht hatte, sollten die Schuld des ukrainischen Militärs belegen.
Wer beschoss MH17? Die Satellitenbilder, die der Kreml nach dem Absturz veröffentlicht hatte, sollten die Schuld des ukrainischen...Foto: dpa

Fast elf Monate nach dem Absturz des Malaysia-Airlines-Flugs MH17 in der Ostukraine zeigt eine forensische Analyse nun, dass Russland im Nachgang des Unglücks offenbar mit falschen Karten gespielt hat. Vier Tage nach dem Absturz der Maschine nahe der Stadt Tores hatte das russische Verteidigungsministerium bei einer internationalen Pressekonferenz sechs Satellitenbilder veröffentlicht, die angeblich Aktivitäten der ukrainischen Luftwaffe am Tag des Absturzes, dem 17. Juli, belegen. Demnach befanden sich zwei BUK-Flugabwehrraketensystem südlich des Dorfes Zaroschinskoe und damit innerhalb des Radius, aus dem auf MH17 gefeuert worden sein muss.

Der Investigativblog "Bellingcat" hat jetzt zwei der russischen Bilder forensisch analysiert und herausgefunden, dass sie offenbar mittels der Software Adobe Photoshop CS5 manipuliert wurden. Die Untersuchung ergab, dass die Bilder, die nach Angaben des russischen Ministeriums am 14. und 17. Juli 2014 entstanden, offensichtlich älter sind und schon aus dem Juni datieren. Dies beweist demnach auch ein Abgleich mit Bildmaterial von Google Earth.

Nachträglich hinzugefügte Wolken

Das eine der beiden von Russland präsentierten Bilder sollte zeigen, dass ein selbstfahrender ukrainischer BUK-Raketenwerfer und drei Fahrzeuge der technischen Unterstützung am Tag des Absturzes nicht mehr auf der Militärstation nödlich von Donezk waren. Auf dieser Abbildung sind aber laut "Bellingcat" nachträglich Wolken hinzugefügt worden.

Dieses Bild soll laut russischer Regierung am 17. Juli 2014 entstanden sein. Eine Analyse des Blogs "Bellingcat" lässt daran Zweifel aufkommen. Die Wolken im Bild sollen nachträglich hinzugefügt worden sein, um einen Vergleich von Details zu verhindern.
Dieses Bild soll laut russischer Regierung am 17. Juli 2014 entstanden sein. Eine Analyse des Blogs "Bellingcat" lässt daran...Foto: Russisches Verteidigungsministerium/bellingcat.com

Auf dem anderen Bild ist eine BUK-Batterie im Süden von Zaroschinskoe am Absturztag zu sehen. In der Analyse zeigte sich den "Bellingcat"-Experten zufolge anhand auffälliger Bodenveränderungen aber, dass das Bild nicht wie vom Kreml behauptet erst nach dem 14. Juli 2014 aufgenommen wurde.

Mit dieser Satellitenaufnahme, datiert auf den 17.Juli 2014, soll die Anwesenheit einer BUK-Batterie in der Nähe des Dorfes Zaroschinskoe nachgewiesen werden. Durch einem Abgleich mit Google-Earth-Bildern werden aber Veränderungen der Bodenstruktur im oberen rechten Bildteil deutlich, die vermuten lassen, dass das Bild früher entstand.
Mit dieser Satellitenaufnahme, datiert auf den 17.Juli 2014, soll die Anwesenheit einer BUK-Batterie in der Nähe des Dorfes...Foto: Russisches Verteidigungsministerium/bellingcat.com

"Bellingcat" wurde am zwei Tage vor dem Absturz von MH17 durch den Blogger Eliot Higgins gegründet. Für die Beiträge des investigativen Blogs werden Techniken wie etwa Geolocating genutzt. Damit konnte "Bellingcat" unter anderem den Einsatz von Giftgas im syrischen Bürgerkrieg, den Ort der Enthauptung des US-Journalisten James Foley und die verdächtige Bewegung eines BUK-Systems vor und nach des MH17-Unglücks nachweisen. Nun fordert die kremlkritische Platttform die russische Regierung auf, die unbearbeiteten Bilder herauszugeben.

Die Boeing 777 der Malaysia Airlines war auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur über der Ostukraine abgeschossen worden. Dabei starben alle 298 Menschen an Bord. Der Beschuss erfolgte wahrscheinlich mit einem Raketenkörper des BUK-Typs zur Flugabwehr. Solche Raketen besaßen zur Zeit des Unglücks wohl auch die pro-russischen Separatisten, die damals in der Region gegen das ukrainische Militär kämpften.

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