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Absturz von Flug MH17 : Transportflugzeug bringt erste Opfer in die Niederlande

Malaysische Experten übergeben die Black Box an holländische Behörden. Mitarbeiter des US-Geheimdienstes gehen jetzt davon aus, dass Flug MH17 aus Versehen von prorussischen Separatisten abgeschossen wurde.

Opfer von Flug MH17 verlassen den Flughafen Charkiw Foto: Reuters
Opfer von Flug MH17 verlassen den Flughafen CharkiwFoto: Reuters

Die Särge mit den ersten Opfern der Flugzeugkatastrophe über der Ostukraine sind auf dem Weg in die Niederlande. Ein niederländisches Transportflugzeug startete am Mittwoch in der ukrainischen Stadt Charkow. Im Vorfeld hatte ein Experte gesagt, die Separatisten hätten bisher nur 200 Leichen übergeben.

Das im umkämpften Osten der Ukraine abgestürzte Passagierflugzeug ist nach US-Angaben vermutlich aus Versehen von den prorussischen Separatisten abgeschossen worden. Wahrscheinlich habe eine "schlecht ausgebildete Besatzung" das eingesetzte Raketensystem nicht richtig beherrscht, sagte ein US-Geheimdienstbeamter am Dienstag.

"Die wahrscheinlichste Erklärung ist, dass es ein Fehler war", sagte der hohe US-Geheimdienstvertreter. Die bisher gesammelten Beweise deuteten darauf hin, dass die prorussischen Separatisten für den Abschuss verantwortlich waren, doch bleibe offen, wer "den Abzug betätigte". US-Regierungsvertreter sagten, zwar sei die Verlegung schwerer Waffen aus Russland in den Osten der Ukraine beobachtet worden, doch gebe es keine Beweise, dass auch Buk-Raketensysteme über die Grenze gebracht wurden.

Der Geheimdienstvertreter wies russische Angaben zurück, wonach die Boeing 777 der Malaysia Airlines vor ihrem Absturz ein Ausweichmanöver vollzog. Ein russischer General hatte am Montag gesagt, ein ukrainisches Kampfflugzeug habe sich kurz vor dem Absturz der Passagiermaschine wenige Kilometer entfernt befunden. Zudem sei die Boeing von ihrer Flugroute abgewichen. Flug MH17 war am Donnerstag mit 298 Menschen an Bord im umkämpften Osten der Ukraine abgestürzt. Es wird allgemein von einem Abschuss ausgegangen.

Flugschreiber an niederländische Ermittler übergeben

Der Flugschreiber der Maschine wurde unterdessen an niederländische Ermittler übergeben. Die malaysischen Experten, die das Gerät von den prorussischen Separatisten erhalten hatten, händigten es am Dienstagabend am Flughafen von Kiew dem Niederländischen Untersuchungsbüro für Sicherheit (OVV) aus, wie das Außenministerium in Den Haag mitteilte. Demnach soll die sogenannte Black Box, die den Flugdatenschreiber und den Stimmenrekorder enthält, zur Auswertung ins britische Farnborough gebracht werden.

Separatisten bewachen die Absturzstelle des Fluges MH17 Foto: Reuters
Separatisten bewachen die Absturzstelle des Fluges MH17Foto: Reuters

Die Auswertung soll Hinweise auf die Absturzursache liefern. Es gilt aber als unwahrscheinlich, dass sie einen Rückschluss auf die Urheber des Angriffs zulässt. Den Haag hat die Führung bei den Ermittlungen, weil 193 der Insassen Niederländer waren. Die Regierung rief für Mittwoch einen nationalen Trauertag aus. Am Nachmittag werden zwei Flugzeuge mit den ersten Opfern in Eindhoven erwartet, wo sie von den Hinterbliebenen, König Willem Alexander und Ministerpräsident Mark Rutte empfangen werden sollen.

Laut einem niederländischen Experten, der am Dienstag die Opfer des Absturzes untersuchte, die am Vortag von den Separatisten in einem Kühlzug nach Charkiw überstellt worden waren, befanden sich nur 200 Leichen in dem Zug. Die Separatisten hatten die Zahl mit 282 angegeben. Ein Sprecher der Beobachtermission der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sagte, Mitarbeiter hätten am Absturzort an mindestens
zwei Stellen noch Leichenteile gesehen.

Der Westen hatten den Separatisten vorgeworfen, acht- und pietätlos mit den sterblichen Überresten der Opfer umzugehen. Zudem gab es Vorwürfe, sie würden Hinweise auf die Absturzursache beseitigen. Laut dem OSZE-Sprecher Michael Bociurkiw wurden am Absturzort tatsächlich Teile des Wracks bewegt. Allerdings könnte dies auch zur Bergung von Opfern geschehen sein. (dpa/AFP)

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