Politik : Absurdistan

Axel Vornbäumen

Der Sowjetalltag in den siebziger und achtziger Jahren hat die Menschen lethargisch gemacht: viele zu Alkoholikern, manche auch depressiv. Wenn es Hoffnung gab, dann muss sie sich darauf konzentriert haben, das Erträgliche im Absurden zu finden, die Insel im Meer der Unzulänglichkeiten, die Nische in der Trostlosigkeit. Und das alles soll unter dem Strich auch liebenswert gewesen sein? Ja, das ist liebenswert. Man muss es nur brillant genug beschreiben können.

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Ljudmila Ulitzkaja, die mal „warmherzige Sarkastin der russischen Gegenwartsliteratur“ genannt wurde, kann das. Mit „Ergebenst, euer Schurik“ hat sie ein skurriles, aberwitziges, großartiges Porträt eines Mannes gezeichnet, der sich im komplizierten, kräftezehrenden Russland der Verführung durch die Frauen nicht entziehen kann. 17 Frauen sind es am Ende, wenn man Mutter und Großmutter hinzuzählt, die sich die Erziehung des jungen Alexander Alexandrowitsch Korn, genannt Schurik, zu einem pflichtergebenen Mitglied der Gesellschaft teilen müssen, weil sein Vater noch vor der Geburt stirbt. Es gibt sogar einen Beipackzettel mit „Schuriks Frauen“, weil sich die Affären überschneiden und sich zwangsläufig eine gewisse Unübersichtlichkeit einstellt, die auch Schurik selbst nur mit großer Hin- und gelegentlich auch Selbstaufgabe bewältigen kann. Ein Buch über die Liebe, die unserem Romanhelden ständig vor die Füße fällt.

Ljudmila Ulitzkaja: Ergebenst, euer Schurik. Roman. Aus d. Russ. von G.-M. Braungardt. Hanser, München. 494 Seiten, 24,90 €.

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