Politik : Abtreibungspille: Streit um Mifegyne

Die Pläne der Grünen, mit einer Gesetzesinitiative den weiteren Vertrieb der Abtreibungspille Mifegyne in Deutschland zu sichern, stoßen bei der SPD auf Ablehnung. Es sei völlig abwegig, die Arzthonorare für einen Schwangerschaftsabbruch mit der Pille gesetzlich zu regeln, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Gudrun Schaich-Walch, am Montag in Berlin. Dies würde einen "Präzedenzfall" im Gesundheitswesen schaffen, der den Staat für weitere Fälle "erpressbar" machen würde. Vielmehr sollte nach anderen Vertriebsmöglichkeiten gesucht werden. Die Firma Femagen will die Pille zum Jahresende wegen zu geringer Verkaufszahlen in Deutschland vom Markt nehmen.

Die frauenpolitische Sprecherin der Grünen, Irmingard Schewe-Gerigk, hatte vorgeschlagen, im Schwangeren-Hilfegesetz die tatsächlich für den Arzt anfallenden Kosten bei der Behandlung mit Mifegyne festzuschreiben. Die Ärzte hätten derzeit keine Möglichkeit, ihren Arbeitsaufwand abzurechnen. Deshalb werde die schonendere medikamentöse Abtreibung durch die Pille in Deutschland bislang kaum vorgenommen. Die Grünen-Politikerin forderte zudem einen einfacheren Vertriebsweg für die Abtreibungspille.

Der Grund für den zurückhaltenden Einsatz der Pille liegt nach Ansicht von Schaich-Walch jedoch nicht bei den Ärztehonoraren. Vielmehr brauche die neue Methode wie andere auch eine "Anlaufzeit". Zugleich sprach sich die SPD-Politikerin für andere Vertriebswege aus. Vorstellbar wäre etwa, dass die Praxen die Pille über das Internet bestellten.

Femagen hatte den angekündigten Vertriebsstopp mit den "hohen Verlusten" durch den in Deutschland gesetzlich vorgeschriebenen Sondervertriebsweg und die "unzureichenden Honorare" für die Ärzte bei einer Behandlung mit Mifegyne begründet.

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