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Abwahl gescheitert : Sauerland bleibt im Amt

Die geplante Abwahl des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland wegen der Todesfälle bei der Loveparade ist gescheitert. Die erforderliche Zweidrittelmehrheit für den von drei Fraktionen getragenen Antrag kam im Stadtrat nicht zustande.

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Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland.
Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland.Foto: dpa

Ein frommer Wunsch steht über dem Eingang zum Ratssaal: „Gott wolle dieses Haus mit seinem Segen schützen und unsere gute Stadt vor Ungemach behüten.“ Nach knapp zwanzig Minuten ist es dann auch überstanden: Adolf Sauerland, so steht am Montag gegen halb drei fest, bleibt Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, bis auf Weiteres. Manche aus der CDU-Fraktion brüllen ihr trotziges Nein zum Abwahlantrag regelrecht in den neugotischen Saal mit der schweren Kassettendecke. Sauerland fehlt in der Sondersitzung, so will es die Gemeindeordnung. Der Hausherr sei nicht im Hause, sagt sein Pressereferent. Aber in der Stadt.

Alles läuft sehr geordnet ab: Mit der Effizienz der Erfahrung ruft CDU-Mann Benno Lensdorf jedes Ratsmitglied auf. Seine Fraktion steht geschlossen hinter dem Bürgermeister. Die nötige Zweidrittelmehrheit wird nicht erreicht – der Abwahlantrag von SPD, FDP und Linken ist abgeschmettert. Das Ergebnis ist nicht überraschend.

Gespalten sind nur die Grünen. Ihre Ratsmitglieder, die Sauerland noch aus der gemeinsamen Koalition bis 2009 gut kennen und weiter unterstützen, blieben der Sitzung fern. Die CDU hatte bereits in der Vorwoche eine Resolution abgelehnt, die seinen Rücktritt forderte. Nach der Sitzung sagt die CDU-Fraktionsvorsitzende Petra Vogt, was sie seit einer Woche sagt: Sauerland sei ein „exzellenter“ OB. Streit in der CDU gebe es nicht. „Mit dem heutigen Tag ist das Thema für uns beendet.“

Die Loveparade und ihre Folgen
Gegen 16 Personen wird wegen des Loveparade-Unglücks ermittelt. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland ist nicht darunter.Weitere Bilder anzeigen
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18.01.2011 16:42Gegen 16 Personen wird wegen des Loveparade-Unglücks ermittelt. Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland ist nicht darunter.

Jürgen Brandt, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD, entwirft gleich nach der kurzen Sitzung mit nur einem Tagesordnungspunkt neue Schrecken: „Im schlechtesten Fall wird es Monate und Jahre der Unsicherheit geben, für die Bürger ebenso wie für Investoren“, unkt er. „Im Oktober will der Oberbürgermeister auf der Expo für Duisburg werben. Wie soll denn das gehen?“ Die Bürger aber scheinen es satt zu haben, sich zu ereifern. Auf den Tribünen bleibt es ruhig. Wenige Demonstranten vor dem Rat haben größtenteils die Parteien herbeiorganisiert. „Sauerland weg. Neuanfang“ steht auf Buttons der einen, „Menschlichkeit statt Hetzjagd“ auf T-Shirts der anderen. Felix Feykes von der Gruppe junges Duisburg sagt: „Ich glaube sehr wohl, dass Herr Sauerland sich in der Stadt rehabilitieren kann.“

Wie Sauerland selbst das sieht, sagen auch die wenigen dürren Sätze seiner „persönliche Stellungnahme“ nicht, die sein Pressereferent verteilt: „Mir ist klar, dass wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können“, heißt es da. Und: „Das Loveparade-Unglück wird Duisburg auch in Zukunft beschäftigen.“

Gleich neben dem Rathaus, in der Salvatorkirche, kamen vor sechs Wochen Angehörige und Politiker zur Trauerfeier für die 21 Toten der Loveparade zusammen. Auch da war Sauerland nicht dabei. In den letzten Wochen war er ein unsichtbarer Bürgermeister. Für ihn sprachen von der Stadt beauftragte Juristen, seine Parteifreunde, sein Pressereferat. Am Wochenende wurde im Duisburger Landschaftspark Nord Mahlers „Symphonie der Tausend“ aufgeführt, auch ein Höhepunkt der Kulturhauptstadt Ruhr2010. Der Bundespräsident gab sich die Ehre. Auch Sauerland kam. Der rundliche Mann mit Bart und erschrockenem Gesicht will sich nun wieder an öffentliche Auftritte gewöhnen.

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