Politik : Abwanderung: Weiterhin verlassen Tausende Ostdeutschland

Auch zehn Jahre nach der Wende reißt der Strom von Ostdeutschen nicht ab, die sich im Westen ein neues Zuhause suchen. Zehntausende von überwiegend jungen Frauen und Männern packten 1999 endgültig ihre Koffer - zumeist in der Hoffnung auf Jobs und bessere Lebensbedingungen in den alten Bundesländern, wie Statistiker annehmen. Von dem schleichenden Bevölkerungsschwund in den neuen Ländern durch Fortzug blieb im vergangenen Jahr einzig Brandenburg verschont, wie eine dpa-Umfrage bei den Statistischen Landesämtern im Osten ergab. Denn im Nachbarland der Bundeshauptstadt erfüllten sich viele zuziehende Berliner den Traum vom Eigenheim im Grünen. Sie führten 1999 zu einem Netto-Zuzug von knapp 19.000 Menschen. Aus den übrigen Flächenländern wanderten dagegen mehr Einwohner ab als neue hinzukamen.

Experten erwarten in den kommenden Jahren keine grundlegende Änderung des Abwanderungstrends. "Wanderungsverluste in Richtung Westen werden erstmal die Realität bleiben", sagt der Referatsleiter für Bevölkerungsstatistik im sächsischen Landesamt für Statistik in Kamenz, Steffen Pollack. Auch der Präsident des Thüringer Landesamtes für Statistik, Gerhard Scheuerer, verweist auf Prognosen, wonach sich erst etwa 2015 Ab- und Zuwanderungen im Osten die Waage halten würden. "Die Experten gehen davon aus, dass sich dann die Lebensbedingungen in Ost und West weitgehend angeglichen haben werden", erläutert Pollack. "Ob das Szenario tatsächlich so eintrifft, ist das Risiko der Prognose."

Nach der großen Abwanderungswelle Anfang der 90er Jahre hatte sich der Bevölkerungsstand Mitte des Jahrzehnts im Osten zunächst wieder stabilisiert. Die Wegzüge hörten nicht auf, wurden aber weniger. Auf Grund des Zuzugs vieler Aussiedler vor allem aus Russland, Kasachstan und anderen GUS-Staaten meldeten einige Länder teilweise sogar wieder einen Wanderungsüberschuss. Doch mit dieser Zuwanderungswelle ist es vorbei - Sachsen (4,5 Millionen Einwohner) etwa meldete 1998 wieder ein Minus. 1999 zogen 17 829 Menschen mehr aus dem Freistaat in die alten Länder fort als von dort zuzogen. In Thüringen waren es durchschnittlich 5000 bis 8000 Menschen jedes Jahr, in Sachsen-Anhalt 1999 fast 14.000. Mecklenburg-Vorpommern hat seit 1990 über 106.000 Einwohner verloren.

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