Politik : Abwanderungs-Diskussion: "Keine dramatische Lage"

Ostdeutsche Politiker warnen vor einer Dramatisierung der Diskussion um die Abwanderung von Arbeitnehmern in den Westen. "Die Abwanderung aus Mecklenburg-Vorpommern stellt ein ernstes, aber kein dramatisches Problem dar", sagte der Schweriner Regierungssprecher Thomas Freund am Dienstag. Auch Thüringens Wirtschaftsminister Franz Schuster (CDU) sieht angesichts von Zuzügen in den Freistaat "das viel diskutierte Thema weit weniger dramatisch". Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reinhard Höppner (SPD) verwies auf das "überraschende Ergebnis von Analysen über die Zuwanderung qualifizierter Leute, deren Qualifikation im Schnitt über der derer liege, die abwandern".

Nach Ansicht Höppners ist das Hauptproblem der neuen Länder nicht die Abwanderung, sondern der Geburtenrückgang, der langfristig zur Überalterung der Bevölkerung führe. Höppner sagte, die Debatte über Abwanderung sei eher schädlich, denn sie erwecke den Eindruck, die Chancen des Ostens im Wettbewerb stünden schlecht. Das sei eine einseitige Sicht. Es gebe auch Unternehmen, die nach Sachsen-Anhalt kämen, "weil sie in Süddeutschland nicht annähernd so gute Bedingungen bekommen, wie bei uns, einschließlich der guten Fachleute".

Schuster sagte, 1999 seien insgesamt 39 000 Menschen aus Thüringen weggezogen. Gleichzeitig habe es aber auch 35 000 Zuzüge gegeben. Mit einer Wanderungsquote von 13,6 Personen pro 1000 Einwohner liege Thüringen auf dem Niveau der alten Länder. Freund sagte, 1999 seien aus Mecklenburg-Vorpommern 37 386 Personen weggezogen, dem hätten 32 883 Zuzüge gegenüber gestanden.

Zuvor hatte die stellvertretende FDP-Vorsitzende Cornelia Pieper den Ost-Beauftragten der Bundesregierung, Rolf Schwanitz (SPD), für die Äußerung kritisiert, das Problem sei nicht überzubewerten. Die PDS-Vorsitzende Gabi Zimmer nannte die Abwanderung eine Katastrophe und warf Schwanitz vor, den Blick für die Probleme des Ostens verloren zu haben.

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