Abzugspläne : Bush will im Irak standhaft bleiben - und beruft sich auf Vietnam

Ein Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak ist für US-Präsident Bush keine Option. Aus dem Vietnam-Krieg müsste man die Lehre ziehen, dass ein Rückzug verheerende Auswirkungen hätte, erklärte Bush.

US-Soldaten
US-Soldaten bei einem Einsatz im Irak. -Foto: ddp

Kansas CityUS-Präsident George W. Bush hat Parallelen zwischen dem Irak- und dem Vietnam-Krieg gezogen, um eine Verlängerung des Einsatzes am Golf zu begründen. Ein Rückzug hätte die gleichen verheerenden Auswirkungen wie damals in Vietnam, hießt es in vorab verbreiteten Auszügen einer Rede, die Bush vor Kriegsveteranen halten wird. Man würde den Soldaten und dem Irak "den Boden unter den Füßen wegziehen", sagt Bush in der mit Spannung erwarteten Rede. Nach dem Rückzug der USA aus Vietnam seien dort hunderttausende Menschen getötet worden. Eine ähnliche Katastrophe würde sich im Irak ereignen, wenn die USA nicht standhaft blieben, mahnt Bush.

"Viele haben argumentiert, wenn wir uns zurückzögen, gäbe es keine Konsequenzen für das vietnamesische Volk", sagte der US-Präsident. In Vietnam-Krieg seien aber nach dem Abzug der US-Armee frühere Alliierte der USA in Gefangenenlagern interniert worden, wo tausende starben. "Hunderttausende flohen aus ihrem Land in klapprigen Booten, viele fanden ihr Grab im Südchinesischen Meer", sagte Bush demnach. Auch würde das Terrornetzwerk Al Qaida den Rückzug der USA aus Vietnam als Zeichen der Schwäche deuten: "Hier zu Hause können einige argumentieren, dass unser Abzug aus Vietnam der Glaubwürdigkeit Amerikas nicht geschadet hat, aber Terroristen sehen die Dinge anders."

Die Anstrengungen der US-Truppen im Irak begännen gerade, sich auszuzahlen: "Wir werden unsere Truppen unterstützen, wir werden unsere Kommandeure unterstützen. Und wir werden ihnen alles geben, was sie brauchen." Die Lehre der blutigen Erfahrung in Vietnam müsse es sein, Geduld zu haben. "Wir werden siegen - es sei denn, wir gehen raus."

Kritik an irakischer Regierung und britischer Armee

Der irakische Ministerpräsident Nuri el Maliki wies Bushs Kritik an der Regierung in Bagdad zurück. "Die irakische Regierung entspringt aus dem irakischen Volk und nur dieses Volk ist bevollmächtigt, über ihr Schicksal zu entscheiden", sagte er bei einem Besuch in Syrien. Bush hatte zuvor gesagt, es gebe einen gewissen Grad an "Frustration" über die Bilanz der irakischen Regierung.

Unterdessen kritisierte ein US-General den Einsatz der britischen Armee in der Gegend um Basra im Süden des Irak, wo sich die Sicherheitslage verschlechtert habe. "Es ist frustrierend, dass die (britischen) Truppen sich am Flughafen aufhalten um die zehnte irakische Division zu trainieren und nicht wie auch in der Vergangenheit in Basra und Umgebung im Einsatz sind", erklärte der frühere US-Generalstabschef der US-Bodentruppen, Jack Keane, der BBC. Großbritannien hat derzeit 5500 Soldaten in Basra stationiert. Der Chef der oppositionellen Labour-Partei in Australien, Kevin Rudd, kündigte an, er werde im Falle eines Wahlsiegs die 1500 Soldaten seines Landes aus dem Irak abziehen.

In der Stadt Baidschi, 200 Kilometer nördlich von Bagdad, sprengte ein Selbstmordattentäter einen Lastwagen in die Luft, wie die Polizei und Krankenhausmitarbeiter mitteilte. Unter den 20 Toten seien auch fünf Polizisten gewesen. Im Nordirak starben nach Angaben der US-Armee beim Absturz eines Militärhubschraubers 14 US-Soldaten. Die zunächst vorliegenden Informationen deuteten demnach auf ein technisches Problem als Absturzursache hin. (mit AFP)

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