Politik : Achermann holt zweites Gold

Kombinierer Ronny Ackermann hat zum Abschluss der nordischen Ski-WM in Oberstdorf seine zweite Goldmedaille gewonnen. Der Einzel-Weltmeister war auch im Sprint-Wettbewerb nicht zu schlagen und siegte im 7,5-km-Langlauf vor den beiden Norwegern Magnus Moan und Kristian Hammer.

Oberstdorf (27.02.2005, 16:50 Uhr) - Ronny Ackermann hat dem deutschen Team einen goldenen Abschluss der nordischen Ski-Weltmeisterschaften beschert und sich mit zwei Titeln und einer Silbermedaille zum «Ski-König» von Oberstdorf gekrönt. Am Sonntag gewann der Dermbacher mit dem Sprint der nordischen Kombinierer den letzten Wettbewerb einer glanzvollen WM und schloss zugleich den Kreis: Sein Titelgewinn im Einzel hatte die Medaillenjagd des DSV-Teams eröffnet.

Am Ende erfüllten sich für die deutsche Mannschaft mit zwei Mal Gold und fünf Mal Silber trotz Platz zwei in der Nationenwertung hinter Norwegen (7/5/7) aber nicht alle WM-Träume. «Wir sind eine führende Wintersport-Nation geblieben, auch wenn wir unser Ziel, die Nationenwertung zu gewinnen, verfehlt haben», sagte der Sportdirektor des Deutschen Ski-Verbandes (DSV), Thomas Pfüller. «Die Kombinierer haben eine überragende Leistung gezeigt. Da hat auf den Tag alles gestimmt, das hätten wir uns auch von den Langläufern gewünscht.» Vier der sieben deutschen Medaillen gingen auf das Konto der Winter- Zweikämpfer.

Ackermann war am Sonntag erneut auf die Minute in bester Verfassung. Zunächst landete er beim Springen auf Rang zwei, dann setzte er im 7,5-km-Sprint am letzten Berg zur entscheidenden Attacke an und lief zu einem ungefährdeten Sieg. «Ich bin stolz, das erlebt zu haben. Ich werde diese WM immer in meinem Kopf und in meinem Herzen tragen», sagte der Thüringer. Aber auch Björn Kircheisen (Johanngeorgenstadt), der mit einer Erkältung startete und Vierter wurde, sowie Georg Hettich (Schonach-Rohrhardsberg) leisteten Vorbildliches.

Die Langläufer waren zum Abschluss auf den Marathon-Distanzen leer ausgegangen. Über 50 km im klassischen Stil kämpfte Andreas Schlütter bei einem Schneesturm verbissen, wurde am Ende beim dreifachen norwegischen Erfolg durch Frode Estil, Anders Aukland und Odd-Björn Hjelmeset Zehnter. Bei den Damen waren die Oberwiesenthalerinnen Claudia Künzel und Viola Bauer am Samstag nach couragierten Auftritten über 30 km auf die Plätze 7 und 12 gelaufen. Mit ihrem dritten Titel avancierte die Norwegerin Marit Björgen zur überragenden Athletin der WM. Je eine Silber- und Bronzemedaille vervollständigen die Medaillensammlung der 24-Jährigen.

Jubel gab es auch um Österreichs Skispringer, die nach dem Gewinn des Team-Wettbewerbs von der Normalschanze auch auf dem großen Bakken nicht zu schlagen waren und Finnland sowie Norwegen auf die Plätze verwiesen. Das deutsche Quartett mit Martin Schmitt (Furtwangen), Jörg Ritzerfeld (Oberhof), Michael Uhrmann (Rastbüchl) und Georg Späth (Oberstdorf) landete mit einem Rückstand von 152 Punkten abgeschlagen auf Platz fünf. «Ich bin enttäuscht, dass wir nicht um die Medaillen mitspringen konnten», sagte Bundestrainer Peter Rohwein.

«Positiv ist, dass wir in allen drei Teildisziplinen Weltspitzenleistungen gezeigt und Medaillen geholt haben. Nicht zufrieden sind wir mit den Langläufern, und hier vor allem im Damen- Bereich, wo wir leer ausgegangen sind», bilanzierte Pfüller. Nach einer gründlichen Saison-Analyse mit den Bundestrainern beginnt im April die Vorbereitung auf die Olympischen Winterspiele im nächsten Jahr in Turin. «Wir wollen das Ergebnis von Salt Lake City bestätigen, dieses Potenzial steckt in der Mannschaft. 15 Medaillen sind das DSV-Ziel, eingeschlossen Biathlon und Ski alpin», betonte Pfüller.

Begeistert zeigte er sich von der Atmosphäre in Oberstdorf, das seinen 1987 erworbenen guten Ruf bestätigte und mit perfekten Titelkämpfen Maßstäbe für die Zukunft setzte. «Eine WM in diesen Dimensionen hat es im Skisport noch nie gegeben», stellte Pfüller fest. Lob gab es auch von FIS-Präsident Gian Franco Kasper. «Gratulation an das Organisationskomitee und den Deutschen Skiverband. Es war eine großartige WM. Für die kommenden Veranstalter wird es schwer, dieses Niveau zu halten», sagte Kasper.

362 500 Zuschauer sorgten für eine stimmungsvolle Kulisse und machten die mit einem Etat von 13 Millionen durchgeführten Titelkämpfe auch finanziell zu einem Erfolg. «Wir haben unser wirtschaftliches Ziel erreicht und werden plus minus null abschließen», erklärte Thomas Müller, Bürgermeister von Oberstdorf und Chef des Organisationskomitees (OK).

Zum Gelingen trug auch die Tatsache bei, dass Oberstdorf erstmals seit Jahren wieder eine «saubere» WM erlebte. Das bislang größte Doping-Kontrollprogramm der FIS umfasste knapp 700 Proben, die bis zum Sonntag negativ ausfielen. Ende der kommenden Woche sollen alle Analysen vorliegen. (Von Gerald Fritsche und Eric Dobias, dpa) ()

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