Politik : Acht Tote bei Attacke der Taliban in Kabul

Islamisten stürmen britisches Kulturzentrum Dutzende Opfer auch bei Attentat in Pakistan

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Kabul - Bei einem Anschlag auf das britische Kulturzentrum in Kabul sind am Freitag mindestens acht Menschen getötet worden. 16 weitere wurden nach offiziellen Angaben verletzt, als mehrere Attentäter den British Council in der afghanischen Hauptstadt angriffen und sich ein stundenlanges Gefecht mit Sicherheitskräften lieferten. Die Taliban bekannten sich zu dem Anschlag am 92. Jahrestag der Unabhängigkeit Afghanistans von Großbritannien.

Der British Council wird teilweise von der Regierung in London finanziert. Er organisiert weltweit unter anderem Studentenaustausche und kulturelle Veranstaltungen. In Afghanistan bietet das Kulturzentrum nach eigenen Angaben vor allem Englischkurse an.

Ein erster Angreifer sprengte sich am frühen Morgen in einem Auto vor dem British Council in die Luft. Drei bis vier weitere Attentäter gelangten in das Gebäude. Erst nach mehr als neun Stunden sei das Gefecht beendet gewesen, erklärte das afghanische Innenministerium. Nach Angaben des britischen Botschafters in Kabul, William Patey, wurden alle Angreifer getötet. Briten seien bei dem Angriff nicht getötet oder verletzt worden, erklärte das Außenamt in London. Die meisten Todesopfer waren Polizisten, wie der Sprecher des afghanischen Innenministeriums, Siddik Siddiki, sagte. Es seien aber auch „ein bis zwei“ Ausländer gestorben. Zu ihrer Nationalität äußerte Siddiki sich nicht. Nach Angaben aus afghanischen Regierungskreisen handelte es sich um Nepalesen. Britische Einrichtungen in Kabul werden oft von früheren Soldaten der Gurkha-Elitetruppe bewacht, die London traditionell in Nepal rekrutiert. Botschafter Patey sagte, nepalesische Wachleute seien verletzt, aber nicht getötet worden.

Die afghanischen Sicherheitskräfte wurden bei dem Gefecht von britischen, französischen und US-Soldaten unterstützt. Bis Ende 2014 sollen die Afghanen schrittweise die gesamte Sicherheitsverantwortung übernehmen. Kabul steht bereits unter ihrer Kontrolle. Es gibt aber immer wieder Anschläge, wie zuletzt Ende Juni auf ein Luxushotel mit 21 Toten.

Die Taliban attackierten den British Council bewusst am Jahrestag der Unabhängigkeit von Großbritannien, die Afghanistan am 19. August 1919 erlangte, wie ihr Sprecher Sabihullah Mudschahid sagte: „Die Briten sind erneut in unser Land eingedrungen, und sie werden unsere Unabhängigkeit erneut anerkennen.“ Großbritannien ist nach den USA der zweitgrößte Truppensteller der Isaf. Derzeit sind 9500 britische Soldaten am Hindukusch im Einsatz.

Auch Pakistan wurde wieder von einem Anschlag erschüttert. Mitten im Fastenmonat Ramadan riss ein Selbstmordattentäter in einer Moschee im Nordwesten mindestens 43 Menschen mit in den Tod. Nach Behördenangaben wurden zudem 117 Menschen verletzt, als sich der Attentäter unmittelbar nach dem Freitagsgebet in der Ortschaft Jamrud in die Luft sprengte. Es war der schwerste Anschlag in Pakistan seit drei Monaten. Jamrud liegt in der Stammesregion Khyber an der Grenze zu Afghanistan, 25 Kilometer südwestlich von Peshawar. In der Region kämpfen die radikalislamischen Taliban sowie das Terrornetzwerk Al Qaida gegen die pakistanische Armee. AFP

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