Politik : Achtung, das Klima ist gut

Von Harald Martenstein

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Manchmal hasse ich dieses Gewerbe, diesen Journalismus. Müssen wir denn immer übertreiben? In dieser Woche meldet der „Spiegel“ auf seinem Titel: „Achtung, Weltuntergang!“ Es geht um die Klimakatastrophe.

Die Welt wird garantiert nicht untergehen. Seit die Welt sich dreht, hat sich das Klima etliche Male auf so radikale Weise verändert, dass die Klimakatastrophe dagegen nur ein Pipifax ist. Klimahistoriker kennen die sogenannten „Dansgaard-Oeschger-Ereignisse“. Bei den Daansgard-Oeschger-Ereignissen ist innerhalb der letzten 120 000 Jahre die Durchschnittstemperatur in großen Teilen der Erde mindestens 20-mal um jeweils zwölf Grad gestiegen, innerhalb von nur zehn bis 15 Jahren, danach ist sie genauso schnell wieder gefallen, Ursache unbekannt. Das ist nur eines von zahlreichen Beispielen. Radikale Klimaveränderungen gehören zum erdhistorischen Alltag. Neu ist nur die Tatsache, dass zum ersten Mal der Mensch eine weltweite Klimaveränderung herstellt.

Bei so etwas gibt es immer Gewinner und Verlierer. Tierarten werden verschwinden, neue Tierarten werden entstehen. Die eine Gegend wird unbewohnbar, die andere Gegend wird mild und angenehm. In den heißen Sommern werden mehr Menschen sterben. Dafür wird es die eisigen Winter nur noch selten geben, in denen regelmäßig Tausende erfroren sind, wie zum Beispiel im Winter 1962/63. Die Klimaveränderung wird Milliarden kosten, aber sie wird auch ein gigantisches Arbeitsbeschaffungsprogramm sein. Dämme, Deiche, Entwässerung, Klimaanlagen – es gibt wieder was zu bauen, und wie.

Wenn man sagt: „Davon geht die Welt nicht unter“, heißt es sofort: „Du nimmst das Problem nicht ernst!“ Bullshit. Natürlich bin ich für Klimaschutz. Man muss versuchen, die Klimaveränderung zu mildern, ganz verhindern können wir sie nicht mehr. Natürlich bin ich gegen den Klimaignoranten George W. Bush – obwohl, jetzt, wo es mit ihm politisch zu Ende geht, sind ja plötzlich alle gegen ihn, auch Leute, die vor kurzem noch ganz angetan waren. Ich hasse einen Journalismus, der versucht, immer auf der Seite der Sieger zu stehen, auch dann, wenn es sich um sympathische Sieger handelt.

Der „Spiegel“-Artikel über den Weltuntergang war dann differenziert und gar nicht so katastrophisch. BSE, Aids, Vogelgrippe, Waldsterben, ach, ich weiß nicht mehr, wie viele Weltuntergänge ich schon überstanden habe. Angst? Nö. Man härtet ab.

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