Politik : Addio Italia

Dem Kanzler reicht’s: Er sagt den Urlaub an der Adria ab. Berlusconi tut es Leid – für Schröder. Und der Staatssekretär bleibt im Amt

Andrea Dernbach

Selbst als Regierungen ihre Meinungsverschiedenheiten noch blutig regelten, war der Ton nicht so schrill wie jetzt zwischen Rom und Berlin. Britannien hieß hierzulande einst „perfides Albion“, und die Franzosen nannten Deutsche „Boches“. Das bedeutet so viel wie „Holzköpfe“, ist auch nicht fein, aber sicher besser als ein „rattenäugiger“ Vandale, der rülpsend und frittenfressend italienische Strände besetzt. So hat der Staatssekretär im italienischen Wirtschaftsministerium, Stefano Stefani, über „die Deutschen“ nicht nur geredet, sondern auch geschrieben.

Das hat einigen Wirbel gemacht. Der Kanzler hat seinen Adria-Urlaub nun endgültig abgesagt. Er will seiner Familie nicht länger Spekulationen über die wenige gemeinsame Zeit zumuten. So hieß es am Mittwoch jedenfalls aus dem Kanzleramt. Außerhalb Italiens fragt man sich nun: Warum muss der Kanzler in Hannover bleiben und Stefani nicht gehen? Darf der alles?

Er darf. Und zwar nicht, wie Berlin zeitweise vermutete, wegen juristischer Probleme. Immerhin sind in gerade mal zwei Jahren Berlusconi schon einige Minister und Staatssekretäre geflogen. Nach italienischem Recht sind Staatssekretäre Chefsache: Der Premier selbst beruft oder feuert sie. Aber Stefani hat gute Freunde. Der Chef der rechtspopulistischen Lega Nord, Umberto Bossi, stellte sich öffentlich vor seinen Parteifreund. Der sei im Recht und im übrigen Opfer einer Verschwörung.

Bossi, Minister in der Regierung Berlusconi und einer seiner Koalitionspartner, kann sich das erlauben, denn seit den letzten Regionalwahlen steht seine Lega wieder ganz gut da, während Berlusconis Forza Italia schmerzhafte Verluste erlitt. Bossi weist gern darauf hin, dass die Lega überall da, wo sie allein angetreten sei, zugelegt habe. Da, wo die die Grünhemden in Berlusconis Mitte-Rechts-Verbund kandidierten, habe man verloren.

Berlusconi weiß sehr gut, dass Bossi ein fürchterlicher Partner ist, denn der hat schon die erste Regierung Berlusconi 1996 gesprengt. Die Wahl danach gewann das Mitte-Links-Bündnis Ulivo. „Wenn Berlusconi Stefani rauswerfen wollte“, heißt es in Rom, „wäre die Regierungskrise da“.

Nun könnte natürlich Bossi seinen Minister als belastend erkennen und weg- ekeln. Doch das käme bei vielen Wählern der Lega schlecht an. Es sähe aus, als knicke Rom vor den Deutschen ein. Beobachter vermuten, dass die Rücktrittsforderungen von Schily und Clement das sicherste Mittel waren, Stefanis Kopf zu retten. Der hat, vom Erfolg ermutigt, noch einmal nachgelegt: Im Parteiblatt der Lega, „La Padania“, lehnte er nicht nur jeden Rückzug erneut ab. Er forderte seinerseits eine Entschuldigung: „Ich warte darauf.“

Und Berlusconi? Der sagte, es tue ihm …nein, natürlich nicht das mit dem Staatssekretär! Für den Kanzler tut es ihm Leid.

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