Politik : Adveniat-Aktion unterstützt Projekte zur Verbesserung der Ausbildungsmöglichkeiten

Raoul Fischer

"Die Jugend Lateinamerikas verdient eine Chance." So lautet das Motto der diesjährigen Aktion des bischöflichen Hilfswerks Adveniat. Mehr als die Hälfte der 520 Millionen Einwohner Lateinamerikas sind unter 25 Jahren. Die Situation der meisten ist geprägt von Armut, Arbeitslosigkeit, unzureichenden Ausbildungsmöglichkeiten. Viele sind Analphabeten. Adveniat unterstützt Projekte der Kirche, die Jugendlichen eine Ausbildung ermöglichen oder eine sinnvolle Tätigkeit.

"Die Spendenbereitschaft insgesamt hat nicht nachgelassen", sagt Adveniat-Geschäftsführer Monsignore Dieter Spelthahn. 5500 Projekte konnte Adveniat in den letzten Jahren fördern. Aber das Thema Dritte Welt trete in Deutschland immer weiter in den Hintergrund. Deswegen organisiert Adveniat Austauschprogramme zwischen deutschen und lateinamerikanischen Jugendlichen. "Die Deutschen sind jedesmal erstaunt über die Lebendigkeit der Kirche dort unten", sagt der Essener Weihbischof Franz Grave, Präsident von Adveniat.

Das ist auch im Sinne Kardinal Aloisio Lorscheiders. Der ehemalige Vorsitzende der brasilianischen Bischofskonferenz bereist zurzeit die Bundesrepublik, um die Arbeit des Hilfswerks zu unterstützen. Hilfe sei keine Einbahnstraße: "Es geht nicht allein um Spenden, sondern auch um gegenseitiges Lernen in Glaubensfragen", sagt der 75-Jährige. Und um Solidarität. Die zunehmende Globalisierung und Deregulierung des Weltmarktes haben negative Folgen für die wirtschaftliche Situation in Lateinamerika. Es gehe nicht darum, das Rad der Geschichte aufzuhalten, sondern zu lenken - in Richtung Gerechtigkeit. Vor diesem Hintergrund versteht Lorscheider auch die Proteste gegen die WTO in Seattle. Gerechtigkeit bestehe auch in fairen Handelsbedingungen sagt Lorscheider im Blick auf Handelshemmnisse für Bananen oder Fleisch aus südamerikanischen Staaten.

Einen internationalen Schuldenerlass für arme Länder im Jahr 2000 kann er sich indes nicht vorstellen. "Wir sind alle miteinander verwoben, auch reiche Länder haben Schulden", sagt der Kardinal. Man müsse sich gegenseitig helfen, sie zu bewältigen.

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