Ägypten : Drei Festnahmen nach Attentat auf Touristen in Kairo

Am Sonntag waren bei einem Sprengstoffanschlag auf westliche Touristen in Kairo ein Mensch getötet und 25 verletzt worden. Nun hat die Polizei drei Verdächtige festgenommen.

Kairo
Schock zu später Stunde in Kairo. -Foto: dpa

KairoDie Männer wurden kurz nach dem Attentat am Sonntagabend nahe dem Anschlagsort in der ägyptischen Hauptstadt gefasst, wie die Polizei am Montag mitteilte. Die meisten Mitglieder der vom Anschlag am schwersten betroffenen französischen Reisegruppe kehrten nach Paris zurück. Es würden rund 15 Zeugen befragt, teilte die Polizei in Kairo weiter mit. Einzelheiten zu den Festnahmen nannte sie nicht.

Bei dem Sprengstoffanschlag am Sonntagabend starb eine 17-jährige Französin, 25 Menschen wurden verletzt, unter ihnen 17 französische Jugendliche und ein 37-jähriger Deutscher. Die Franzosen gehörten zu einer Reisegruppe aus dem Pariser Vorort Levallois-Perret. Ein Sprengsatz war am Sonntag gegen 18.50 Uhr am Rande des Chan-el-Chalili-Basars explodiert, einem beliebten Touristenziel.

Zum Hergang des Attentats gab es widersprüchliche Angaben. Ein Mitglied des Sicherheitsausschusses im Parlament sagte, ein unter einer Bank deponierter selbstgebauter Sprengsatz sei explodiert. Augenzeugen zufolge wurde der Sprengstoff in Richtung der Touristen geschleudert. Andere Augenzeugen und ein Polizeivertreter sagten, zwei Sprengsätze seien von einem Dach geworfen worden. Nur einer sei hochgegangen, der zweite kontrolliert gezündet worden.

Kein Bekenntnis nach der Tat

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. "Es gab eine sehr starke Explosion, dann Schreie und Blut", berichtete die 28-jährige Romy Janiw, eine der Begleiterinnen der französischen Jugendgruppe. Er sei durch die Wucht der Explosion umgeworfen und ohnmächtig geworden, sagte ein Augenzeuge. Der Tatort befindet sich unweit vom Eingang der Hussein-Moschee, eines der wichtigsten Heiligtümer des Landes. Die meisten der Verletzten, unter ihnen der Deutsche, konnten das Krankenhaus nach kurzer Zeit wieder verlassen. Drei Franzosen blieben weiter im Krankenhaus, unter ihnen ein Schwerverletzter, der aber nach Angaben des französischen Außenministers Bernard Kouchner inzwischen außer Lebensgefahr ist. Ein französisches Sanitätsflugzeug mit Ärzten an Bord traf in Kairo ein, um die verletzten Touristen nach Frankreich zurückzubegleiten.

Am Montag waren Läden und Lokale an der Hussein-Moschee wieder geöffnet. Auch Touristen waren wieder in den schmalen Gassen unterwegs - eine kleine Gruppe deutscher Reisender besuchte ein beliebtes Café. Die Polizei patrouillierte. Trotz starker Sicherheitsvorkehrungen gab es in Ägypten in den vergangenen Jahren wiederholt Anschläge auf Touristen. Im April 2005 wurde ebenfalls auf den Chan-el-Chalili-Basar ein Attentat verübt, bei dem drei Touristen starben. Zuletzt waren im April 2006 bei einem Attentat im Badeort Dahab auf der Sinai-Halbinsel 20 Menschen getötet worden, unter ihnen sechs Ausländer. Der folgenschwerste Anschlag auf Ägypten-Reisende ereignete sich am 17. November 1997: In Luxor wurden 62 Menschen getötet, unter ihnen 58 Touristen, die überwiegend aus der Schweiz und Japan stammten. Der Tourismus ist eine Hauptstütze des ägyptischen Wirtschaftslebens - im Jahr 2008 brachte er dem Land umgerechnet knapp 8,6 Milliarden Euro ein. Das waren 11,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. (mpr/AFP)

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