Ägypten : Internet-Blackout vor Massenprotest in Kairo

Twitter und Facebook sind blockiert, Internetverbindungen gekappt, Oppositionelle in Haft: Ägyptens Regierung versucht alles, um die geplanten Massenkundgebungen zu verhindern. Doch die Proteste gehen weiter.

von
Vor den für Freitag angekündigten Massenprotesten wird das Internet in Ägypten lahmgelegt. Zahlreiche Regimegegner werden festgenommen.
Vor den für Freitag angekündigten Massenprotesten wird das Internet in Ägypten lahmgelegt. Zahlreiche Regimegegner werden...Foto: Reuters

Es wird erwartet, dass bei den geplanten Großdemonstrationen, die am Mittag nach dem Freitagsgebet beginnen sollen, erstmals auch eine große Zahl von Anhängern der Muslimbruderschaft gegen die Regierung und gegen Präsident Husni Mubarak demonstrieren wird. Die offiziell verbotene Organisation hatte sich bei den Protesten, die das Land seit Dienstag in Atem halten, bislang zurückgehalten.

Trotzdem wurden seit Donnerstag nach Angaben aus Sicherheitskreisen 25 führende Mitglieder der Islamisten-Bewegung festgenommen. Für viele liberale Ägypter sind aber nicht die Muslimbrüder die Hoffnungsträger, sondern Mohammed el Baradei. Der ehemalige Chef der Internationalen Atomenergiebehörde war am Donnerstagabend von Wien nach Kairo zurückgekehrt. El Baradei, der sich an die Spitze der Protestbewegung stellen will, bot sich als Chef einer Übergangsregierung an. Ägypten stehe an einem Scheideweg, sagte der 68-Jährige.

Revolution in Ägypten
Tanzen auch auf Panzern: Die Armee hat sich während der Proteste gegen Präsident Mubarak zurückgehalten. Nach dessen Rückzug feiern auch die Soldaten mit.Weitere Bilder anzeigen
1 von 139Foto: dpa
12.02.2011 10:47Tanzen auch auf Panzern: Die Armee hat sich während der Proteste gegen Präsident Mubarak zurückgehalten. Nach dessen Rückzug...

Für die Internet-Blockade gab es keine offizielle Erklärung. Beobachter vermuten jedoch, dass die Regierung dadurch den Demonstranten die Möglichkeit nehmen will, ihre politischen Botschaften über das Netz zu verbreiten und große Kundgebungen zu organisieren. Wie der US-Nachrichtensender CNN unter Berufung auf Webdienste, die das Funktionieren des Internets überprüfen, berichtete, waren die Server des Hauptanbieters in Ägypten am Freitagmorgen nicht erreichbar. Auch die Server für Webseiten der ägyptischen Regierung und der US-Botschaft in Kairo waren offenkundig unterbrochen.

Auch Textnachrichten konnten nicht mehr mit Blackberry versendet werden. Webseiten wie Twitter, Facebook und der Email-Dienst von Google waren vollständig blockiert. Die Regierung hatte angekündigt, am Freitag würden keine Proteste geduldet. Jedoch seien Menschen in Kairo von Tür zu Tür gegangen, um ihre Mitbürger zur Teilnahme zu ermutigen. Am Morgen war in Ägypten das Internet schließlich komplett abgeschaltet und kaum ein Mensch auf der Straße.

Zeitung: Ägyptische Firmen verabredeten Blockade

Die ägyptischen Telekommunikationsfirmen sollen in einer geheimen Krisensitzung beschlossen haben, im Falle einer Eskalation der Proteste an diesem Freitag alle Kommunikationskanäle zu kappen. Am Morgen funktionierten das Internet und verschiedene Mobilfunk-Netze nicht. Unklar blieb, ob die Regierung ihren Versuch der totalen Kontrolle auch auf die Festnetz-Telefonie ausdehnen würde.

Am Ende der Sitzung wurde nach Informationen der unabhängigen ägyptischen Tageszeitung "Al-Shorouk" entschieden, dass der Internet-Provider Tedata sowie die Mobilfunkfirmen Mobinil, Vodafone und Etisalat am Freitag jeweils einen Vertreter zur staatlichen Telekommunikationsfirma schicken, um weitere Schritte zu koordinieren.

Die Websites einiger unabhängiger ägyptischer Medien, die Server außerhalb des Landes nutzen, funktionierten am Freitag noch. "Aber unsere Journalisten können den Inhalt unserer Seite nicht mehr aktualisieren, weil wir hier in Ägypten keine Verbindung mehr zum Internet haben", sagte ein Mitarbeiter der IT-Abteilung der Nachrichten-Website "youm7".

Die Opposition rief für Freitag zu Massenkundgebungen in Kairo und anderen Städten auf. Mehrere Gruppen forderten die Bürger auf, nach dem Freitagsgebet von den Moscheen aus loszumarschieren. Auch die Christen sollten nach dem Kirchgang auf die Straße gehen.

   Sicherheitskräfte sollen für Freitagmittag Gebete in den meisten Moscheen im Zentrum von Kairo sowie in größeren Moscheen im Land verboten haben, um Versammlungen von Demonstranten zu verhindern, berichtete die Website Akher al-Akhbar.

   Auch am Donnerstag war es wieder zu Protesten in Ägypten gekommen. In Kairo demonstrierten am späten Abend auf einer der Hauptstraßen mehr als 1000 Menschen. Seit Beginn der Proteste am Dienstag - den größten seit der Machtübernahme von Mubarak vor 30 Jahren - gab es mindestens sieben Tote, etwa 1000 Menschen wurden festgenommen.

Am Donnerstagabend war der ägyptische Minister für Handel und Industrie, Raschid Mohammed Raschid vorzeitig vom Weltwirtschaftsforum in Davos zurückgekehrt. Dies schürte in Kairo Spekulationen, dass Raschid, der als kompetenter Technokrat gilt, zum neuen Ministerpräsident ernannt werden könnte, um den Protesten damit eventuell die Spitze zu nehmen. (mit dpa)

Autor

9 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben