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Ägypten kommt nicht zur Ruhe : Vier Tote bei Ausschreitungen in Kairo

Am Freitag kam es in verschiedenen Städten Ägyptens erneut zu schweren Ausschreitungen. Und die Proteste sollen noch tagelang andauern, denn am Sonntag jährt sich der Jom-Kippur-Krieg.

In Ägypten kam es erneut zu schweren Ausschreitungen. Vier Menschen starben.
In Ägypten kam es erneut zu schweren Ausschreitungen. Vier Menschen starben.Foto: Reuters

Drei Monate nach dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi sind nach Behördenangaben bei neuen gewaltsamen Protesten mindestens vier Menschen getötet worden. In Kairo und anderen Städten des Landes lieferten sich Mursis Anhänger am Freitag heftige Auseinandersetzungen mit seinen Gegnern und den Sicherheitskräften. Für Sonntag, dem 40. Jahrestag des Jom-Kippur-Kriegs mit Israel, wird mit weiteren Kundgebungen gerechnet.

Tausende Mursi-Anhänger waren nach dem Freitagsgebet in mehreren Vierteln der Hauptstadt auf die Straße gegangen, um gegen das Militär und Armeechef Abdel Fattah al-Sisi zu protestieren. Die Polizei ging mit Warnschüssen und Tränengas gegen die Islamisten vor, als diese auf den zentralen Tahrir-Platz wollten. Die Sicherheitskräfte riegelten den Tahrir ab und drängten die Demonstranten auf einen anderen Platz ab. Die meisten Geschäfte in der Nachbarschaft blieben geschlossen.

Im Stadtteil Nasr City reihten sich tausende Islamisten in einen Protestzug ein. Dort befand sich eines der Protestlager der Muslimbrüder, bei dessen Räumung durch die Sicherheitskräfte Mitte August hunderte Islamisten getötet worden waren. Die Demonstranten hielten Fotos von getöteten Muslimbrüdern hoch und schworen Rache. In einem anderen Stadtteil schossen Islamisten und ihre Gegner mit Schrotflinten aufeinander, wie ein Augenzeuge berichtete. Unbekannte stachen den Sprecher der liberalen Al-Dostur-Partei, Chaled Dawod, nieder. Nach Angaben der Nachrichtenagentur MENA wurde er an Brust und Hand verletzt.

Auch aus Alexandria und der südlichen Provinz Assiut berichteten die staatlichen Medien und AFP-Korrespondenten von gewaltsamen Protesten. Laut dem Leiter der Sanitätsdienste, Ahmed al-Ansari, wurden insgesamt mindestens 45 Menschen verletzt. In Suez kam es zu weiteren Krawallen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und das US-Außenministerium reagierten besorgt. Die stellvertretende Sprecherin des State Department appellierte an alle Seiten, auf Gewalt zu verzichten und sich friedlich am politischen Übergangsprozess zu beteiligen. Ähnlich äußerte sich auch Bans Sprecher Martin Nesirky.

Zuvor hatte sich die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton bei einem zweitägigen Besuch in Ägypten für eine rasche Demokratisierung eingesetzt - unter Einbindung der Muslimbruderschaft. Es gehe darum, alle mit einzubeziehen und einen Dialog zu führen, sagte sie in Kairo. Vertreter der Tamarud-Bewegung, die mit ihren Massenprotesten das Ende der Ära Mursi eingeläutet hatte, kritisierten sie daraufhin scharf und warfen ihr nach Angaben des Nachrichtenportals „Al-Ahram“ vor, „den Terror“ zu beschützen. Die Chefdiplomatin war bereits zum dritten Mal seit dem Machtwechsel nach Ägypten gereist.

Der den Muslimbrüdern entstammende Mursi war am 3. Juli vom Militär entmachtet worden. Am 14. August räumten Polizei und Streitkräfte die Protestlager der Muslimbrüder in Kairo mit Gewalt. Dabei wurden hunderte Menschen getötet. Mehr als 2000 Islamisten, darunter nahezu die gesamte Führungsriege der Muslimbruderschaft, wurden verhaftet. Ende September verbot ein Gericht alle Aktivitäten der Organisation und ordnete die Beschlagnahme ihres Vermögens an. (AFP/dpa)

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