Ägyptens Präsident : Mubarak: Ohne mich das Chaos

Ägyptens Präsident bekräftigt in einem Interview seine Rücktrittsabsichten, will aber nicht sofort abdanken. In Kairo stellte sich die Armee am Donnerstag zwischen die Fronten, kann Übergriffe auf Ausländer aber nicht verhindern.

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Für viele Ägypter ist er ein "Mörder", aber sofort will Präsident Mubarak die Macht nicht abgeben.
Für viele Ägypter ist er ein "Mörder", aber sofort will Präsident Mubarak die Macht nicht abgeben.Foto: Reuters

Ägyptens Präsident Hosni Mubarak hat seine grundsätzliche Bereitschaft zu einem Rücktritt bekräftigt: „Aber wenn ich heute zurücktrete, wird Chaos ausbrechen“, sagte er nach Schilderung der ABC-Korrespondentin Christiane Amanpour, die in seinem Kairoer Palast mit ihm sprach. Mubarak sagte demnach auch, er habe das Leben in der Öffentlichkeit satt, er wolle aufhören; nur die Lage im Land halte ihn davon ab. „Ich kümmere mich nicht darum, was die Menschen sagen, sondern um Ägypten.“ Über die Gewaltexzesse am Mittwoch sei er „sehr unglücklich“: „Ich möchte nicht, dass Ägypter gegen Ägypter kämpfen.“ Er habe auch nie vorgehabt, erneut zu kandidieren oder seinen Sohn zum Nachfolger zu machen.

Nach den schweren Straßenschlachten mit Toten und vielen Verletzten in Kairo hat sich am Donnerstag die Armee zwischen die Demonstranten und angreifende Schlägertrupps gestellt. Auf dem zentralen Tahrir-Platz befanden sich mehrere tausend Demonstranten, dazu Hunderte in den Mubarak-Trupps. In der Innenstadt gab es immer wieder Zusammenstöße, Augenzeugen zufolge wurde ein Ausländer zu Tode geprügelt. Das Militär sperrte die Zufahrtsstraßen weiträumig ab. Die Geschütztürme der Panzer, deren Rohre zunächst auf die Platzmitte gerichtet waren, wurden in die Gegenrichtung gedreht, hieß es.

Revolution in Ägypten
Tanzen auch auf Panzern: Die Armee hat sich während der Proteste gegen Präsident Mubarak zurückgehalten. Nach dessen Rückzug feiern auch die Soldaten mit.Weitere Bilder anzeigen
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12.02.2011 10:47Tanzen auch auf Panzern: Die Armee hat sich während der Proteste gegen Präsident Mubarak zurückgehalten. Nach dessen Rückzug...

Der Sender Al-Arabija berichtete, eines seiner Teams sei von Mubarak-Leuten verprügelt worden. Auch mehrere westliche Reporter berichteten über deren massive Übergriffe. Weitere internationale Medien räumten ihre Büros. Offiziell war von fünf Toten seit Mittwoch die Rede. Ärzte sprachen von zehn Toten.

Der neue Ministerpräsident Ahmed Schafiq entschuldigte sich für die Vorfälle und versprach eine Untersuchung. Die Angreifer wollten Unruhen schüren. Ägyptens neuer Vizepräsident Omar Suleiman forderte im Staatsfernsehen die Opposition auf, sich rasch auf die Wahl vorzubereiten und lud die verbotene Muslimbruderschaft zu Gesprächen ein. Das Oppositionsbündnis, dem die Muslimbrüder angehören, lehnte Gespräche jedoch vorerst ab. Bedingung dafür sei der Rückzug Mubaraks.

Nach tagelangem Zögern erhöhten die wichtigsten EU-Länder den Druck auf die ägyptische Führung. Sie verlangten am Donnerstag den „zügigen und geordneten Übergang“ zu einer Regierung, die sich auf eine breite Mehrheit in der Bevölkerung stützt. „Der Prozess dazu muss jetzt beginnen“, hieß es in einer Erklärung von Kanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy, Großbritanniens Premier David Cameron, Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi und Spaniens Regierungschef José Luis Zapatero. Zur Zukunft von Präsident Hosni Mubarak wurde aber keine Stellung genommen.

Unterdessen untersagte ein ägyptischer Generalstaatsanwalt Ex-Vertretern des Regimes die Ausreise, darunter auch dem früheren Innenminister Habib el Adli. Gegen ihn und andere Ex-Regierungsgrößen werde ermittelt.

Nach dem Verzicht des jemenitischen Präsidenten Ali Abdullah Salih auf eine weitere Amtszeit sind Demonstrationen seiner Gegner und Anhänger in der Hauptstadt Sanaa friedlich verlaufen. Oppositionsgruppen hatten zuvor zu einem „Tag des Zorns“ aufgerufen. Für Freitag hat wie die ägyptische auch Syriens Opposition zu einer Großdemonstration aufgerufen. Sie kündigte gewaltlose Erhebungen gegen Präsident Assad an. (mit rtr/dpa/AFP)

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