Politik : Ägypter boykottieren Boykott

Andrea Nüsse

Kairo - Während die staatlichen ägyptischen Zeitungen Lobeshymnen zum 80. Geburtstag von Präsident Hosni Mubarak druckten, verhallte ein Streikaufruf von Internetaktivisten und Muslimbrüdern am Sonntag offensichtlich ungehört. Seit Wochen hatten Aktivisten über das Internetportal Facebook und Textbotschaften zu einem Boykott am 4. Mai, dem 80. Geburtstag Mubaraks, der seit 26 Jahren Ägypten regiert, aufgerufen. Die islamistische Muslimbruderschaft hatte sich dem Aufruf am Dienstag angeschlossen und Ägypter, die nicht im öffentlichen Dienst oder Gesundheitssektor arbeiten, dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Damit sollte gegen die Preissteigerungen und die politische Unfreiheit demonstriert werden.

Doch die Straßen Kairos waren an diesem Arbeitstag nach mehreren Feiertagen wie üblich an einem Wochentag verstopft, Ämter und Geschäfte normal geöffnet. Am 6. April hatte erstmals eine Koalition gesellschaftlicher Gruppen zu einem Tag zivilen Ungehorsams aufgerufen, damals waren die Straßen Kairos teilweise wie ausgestorben gewesen. So blieb Mubarak am Sonntag eine Demütigung erspart. Die Tageszeitung „Achbar al Jaum“ zierte ein Titelbild, das Mubarak inmitten eines Weizenfeldes unter blauem Himmel zeigte, unter der Aufmacherüberschrift: „Warum wir dich lieben, Chef“. Das Blatt „Al Gomhoriya“ bezeichnete Mubarak als „Helden der sozialen Gerechtigkeit“. Damit spielte das Blatt auf Mubaraks Ankündigung vom vergangenen Mittwoch an, die Gehälter der staatlichen Angestellten um 30 Prozent anzuheben. Damit hofft er den wachsenden Unmut über dramatische Preissteigerungen und politische Repression zu bremsen. Andrea Nüsse

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