Politik : Ärger mit dem Nachbarn

Südkorea kritisiert Japan und geht zu Berlins UN-Hoffnungen auf Abstand

Ruth Ciesinger

Berlin - Auch wenn die Beziehungen exzellent sein mögen, in einem Punkt sind Deutschland und Südkorea entschieden verschiedener Ansicht. Vor allem in Berlin dürfte dieser nach dem Besuch von Präsident Roh Moo Hyun nun etwas Wehmut hinterlassen: die geplante Reform des UN-Sicherheitsrates. Südkorea ist gegen die von Deutschland angestrebte Erweiterung um sechs ständige Mitglieder, Modell A, und für eine „einfache“ Erweiterung um weitere nichtständige Mitglieder nach Modell B.

Während der Präsident eine Unterstützung Berlins ankündigt, falls sich innerhalb der UN dennoch Modell A durchsetzen sollte, ist Außenminister Ban Ki Moon deutlicher: Seoul will nicht nur Modell B, sondern auch eine Konsensentscheidung. Dabei spielen vor allem die Beziehungen zum Nachbarland Japan eine große Rolle, das gemeinsam mit Deutschland um einen ständigen Sitz wirbt. Südkorea kritisiert wie China massiv Tokios Umgang mit der eigenen Geschichte vor und während des Zweiten Weltkriegs. In Berlin nun betont Ban, wer ständiges Mitglied werden wolle, müsse korrekt mit der eigenen Vergangenheit umgehen. „Ohne das Vertrauen seiner direkten Nachbarn“ sei für einen Staat eine Mitgliedschaft im Sicherheitsrat zudem schwer denkbar.

In den vergangenen Wochen hat sich das Verhältnis zwischen Japan einerseits sowie China und Südkorea andererseits deutlich verschlechtert, ausgelöst durch die Veröffentlichung von Schulbüchern, die nach Ansicht der beiden Länder die japanischen Kriegsverbrechen verharmlosen. Anders als Deutschland, das sich mit seiner Vergangenheit auseinander gesetzt habe, werde in Japan weiter „falsche Geschichte unterrichtet“. Tokios Verhalten sei „sehr frustrierend“ und Besorgnis erregend, so der Außenminister.

Trotzdem sieht Japan derzeit offenbar keinen Grund für einen diplomatischeren Kurs gegenüber seinen Nachbarn. Am Mittwoch kündigte die Regierung an, japanische Firmen an der umstrittenen Seegrenze zu China nach Erdgas bohren zu lassen. Verschiedene Unternehmen hatten seit den 60er Jahren um solche Genehmigungen nachgesucht, aus Rücksicht auf die japanisch-chinesischen Beziehungen aber bisher keine erhalten.

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