Politik : Ärzte gegen Billigkassen

Verbandschef: Wechsel entzieht dem System zusätzlich Geld

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Berlin (dpa). Die Kassenärzte beklagen Einnahmeausfälle durch den Wechsel von Versicherten zu den günstigeren Betriebskrankenkassen (BKK). Durch die Mitgliederwanderungen zu den BKK seien dem Gesundheitssystem im vergangenen Jahr mehr als 213 Millionen Euro verloren gegangen, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Manfred RichterReichhelm: „Den Wechsel in eine so genannte Billigkrankenkasse sollten sich Versicherte wohl überlegen. „Dem gebeutelten System wird so noch zusätzlich Geld entzogen.“ Die ärztliche Behandlung sei für alle Versicherten gleich, die Bezahlung der einzelnen Kassen allerdings nicht. Der BKK-Bundesverband wies die Vorwürfe zurück. Es zeuge von „traurigem Niveau“, wenn Ärztevertreter den Patienten die Schuld an den Finanzproblemen der gesetzlichen Krankenversicherung geben.

Die regional gegliederten Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) vertreten 140 000 Kassenärzte und Psychotherapeuten gegenüber den Krankenkassen. Diese überweisen ihnen pro Quartal eine einmalige Kopfpauschale. Damit müssen alle anfallenden medizinischen Leistungen bezahlt werden. Die Höhe des Pauschalbetrags sei je nach Kasse unterschiedlich, sagte Richter-Reichhelm. Viele BKK überwiesen eine vergleichsweise niedrige Summe. In Ostdeutschland zahlten die Ersatzkassen 2002 rund 390 Euro je Mitglied, die BKK 330 Euro, im Westen waren es bei den Ersatzkassen 515 und bei den BKK 470 Euro. Richter-Reichhelm: „Das Budget für Versicherte in Billigkrankenkassen ist schnell verbraucht – diese Patienten behandeln wir dann umsonst.“

Zwischen 1997 bis 2002 wechselten fast vier Millionen gesetzlich Versicherte in die häufig günstigeren Betriebskrankenkassen. Viele der „Billigkassen“ würden aber „schon nach kurzer Zeit ihre Sätze“ anheben, warnte Richter-Reichhelm. In den alten Bundesländern kostete die Wanderbewegung die KV im Jahr 2002 179 Millionen, in den neuen Bundesländern 34,6 Millionen Euro. „Diese Entwicklung kann die künftige medizinische Versorgung der Versicherten ernsthaft gefährden“, so der Ärztefunktionär.

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