Politik : "Ärzte ohne Grenzen" rechnen mit langem Einsatz in Ost-Timor

Michael Streck

Die ersten Mediziner, die in Ost-Timor Hilfe geleistet haben, waren die "Ärzte ohne Grenzen". Einer von ihnen ist der 49-jährige Chirurg Peter Firmenich aus Euskirchen.Vergangenen Montag kehrte er von seinem vierwöchigen Einsatz in Ost-Timor zurück.

"Am Anfang hatte ich in Dili den Eindruck einer verbrannten Stadt", berichtet er. "Auf den Straßen sind nur sehr wenig Menschen zu sehen gewesen. Immer wieder wurden in den ersten Tagen Brände gelegt. Drei Wochen später bin ich nochmal in Dili vorbeigekommen, und die Situation hatte sich völlig geändert. Der Markt war wieder belebt, die Stadt voll von Leuten, und viele versuchten, ihre Häuser in Stand zu setzen."

Peter Firmenich gehörte zum ersten Aufbauteam nach der Ankunft der UN-Schutztruppe, und sein Einsatz war von Beginn an nur kurzfristig angelegt. Die Arbeit geht jedoch weiter, vielleicht über Jahre hinaus. Das medizinische Versorgungssystem muss neu strukturiert und aufgebaut werden. Viele Ärzte waren Indonesier und sind geflohen. Bisher sind erst 14 Ärzte nach Ost-Timor zurückgekehrt.

Zuerst sei es darum gegangen, in der Hauptstadt Dili ein Gesundheitszentrum in einem Stadion aufzubauen, wo heimkommende Flüchtlinge behandelt werden konnten. Später war Firmenichs Team in der Stadt Bacau im Einsatz, um das dortige Krankenhaus arbeitsfähig zu machen. Zusätzlich wurden so genannte mobile Kliniken wieder eingerichtet. Dort seien die Menschen "praktisch aus dem Medizinkoffer heraus" versorgt worden.

Die Kooperation mit den Soldaten der internationalen Friedenstruppe sei gut gewesen, betont Firmenich. Das Stadion werde von der australischen Armee bewacht, und nach Baucau seien die Ärzte von einem Kontingent philippinischer Soldaten begleitet worden.

Was den Einsatz der Bundeswehr vom australischen Darwin aus betrifft, so sieht Firmenich hierin momentan ein "wichtiges Glied in der Versorgungskette". Weil das Gesundheitssystem Ost-Timors noch zu schwach sei und schwer verletzte Patienten nicht vor Ort versorgt werden können, werden sie nach Darwin geflogen, wo eine Behandlung auf höherem medizinischem Niveau sichergestellt wird. "Dies ist aber nur eine kurzfristige Lösung, denn langfristig müssen die Krankenhäuser auf der Insel ausgebaut und mit ausreichend Ärzten und Material versorgt werden", so Firmenich.

Noch in Ost-Timor erfuhr er vom Friedensnobelpreis, der den "Ärzten ohne Grenzen" verliehen wurde. "Ich kam von einer mobilen Klinik in den Bergen und habe die Nachricht von einer norwegischen Mitarbeiterin erfahren. Es direkt im Einsatzgebiet zu hören, war besser als in Deutschland am Schreibtisch. Dort wusste ich, wofür wir den Preis bekommen haben."

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