Politik : Ärzte röntgen zu häufig

Bundesamt rügt Einsatz von Computertomografen

Michael Kaczmarek

Berlin - Die Deutschen werden beim Arzt zu häufig radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Darauf verwies der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, am Donnerstag in Berlin. Nach BfS-Angaben stieg die durchschnittliche Strahlenbelastung je Einwohner zwischen 1996 und 2001 um mehr als zehn Prozent auf 1,8 Millisievert. Damit habe die medizinisch verursachte Strahlenbelastung der Deutschen im Vergleich zu anderen eurpäischen Ländern eine Spitzenstellung eingenommen, sagte König bei der Vorstellung des BfS-Jahresberichts 2003, den er gemeinsam mit Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) präsentierte.

Der Anstieg der Strahlenbelastung sei auf die vermehrte Anwendung der Computertomografie (CT) zurückzuführen. „Wir haben in Deutschland verhältnismäßig viele CT-Geräte, und deren Einsatz ist nicht immer medizinisch begründet“, sagte König. Vielmehr scheine die Auslastung der teuren Geräte ausschlaggebend zu sein. Im Jahr 2001 wurden laut König rund 150 Millionen radiologische Untersuchungen vorgenommen, dies entspricht 1,8 Untersuchungen pro Einwohner. Auch wenn die CT nur sechs Prozent der Röntgenuntersuchungen ausmachten, trage diese Methode zu 40 Prozent der Strahlenbelastung bei.

Ein weiteres Problem sieht König darin, dass radiologische Untersuchungen in Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern nicht ausschließlich in dafür spezialisierten Zentren vorgenommen würden. Er kritisierte die breite Streuung von Röntgengeräten in Praxen niedergelassener Ärzte. Dies führe dazu, dass veraltete Geräte eingesetzt werden; viele Mediziner seien zudem nicht ausreichend ausgebildet. „Es muss sichergestellt sein, dass die Ärzte fähig sind, die Ergebnisse der strahlenintensiven Untersuchung qualitativ auszuwerten“, forderte König.

Die Patienten sollten sich erklären lassen, welche Untersuchungen gemacht werden, und nachfragen, ob diese tatsächlich notwendig seien. Es gebe auch strahlenärmere Methoden wie den Ultraschall oder die Kernspintomografie, sagte König. Ein Strahlenpass, in dem die Untersuchungsergebnisse gesammelt werden, könne zudem helfen, Doppeluntersuchungen zu vermeiden.

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