Ärzte-Tarifstreit : Verhandlungen vertagt

Trotz eines Verhandlungsmarathons haben sich die Ärztegewerkschaft Marburger Bund und die Arbeitgeber der Länder nicht auf einen Tarifvertrag für die Uni-Ärzte einigen können. Die Gespräche wurden auf Dienstag vertagt.

München - Bei einem 26-stündigen Verhandlungsmarathon in München ist der Tarifkonflikt um mehr Gehalt für die Ärzte an den Universitätskliniken noch nicht entschärft worden. Es habe zwar «sehr weit reichende Annäherungen gegeben», sagte der Verhandlungsführer der öffentlichen Arbeitgeber, Ulrich Konstantin Rieger, am Samstag. Man habe gemeinsam gefundene Kompromissmöglichkeiten skizziert, sei aber schließlich in einer zentralen Frage zum Gehaltsgefüge nicht weitergekommen. Die Gespräche sollen an diesem Dienstag in Köln fortgesetzt werden. Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) zeigte sich enttäuscht und kündigte eine Fortsetzung der Streiks an.

«Wir machen jetzt eine Rechen- und Denkpause», sagte ein Mitglied der Verhandlungskommission der Arbeitgeber, die in der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) organisiert sind. «Wir waren ganz nahe dran», sagte MB-Verhandlungsführer Lutz Hammerschlag. «Es fehlten nur ein paar Zentimeter.» Ein Ergebnis könne aber nur dann vorliegen, wenn das, was man gemeinsam ausgehandelt habe, dann auch in ein offizielles Angebot der Arbeitgeber münde. Dazu hätten diese sich aber nicht im Stande gesehen. Man habe den Wunsch der Arbeitgeber, alles noch einmal durchzurechnen, nur «mit einer gewissen Wut im Bauch» akzeptiert.

Der MB-Vorsitzende Frank Ulrich Montgomery sagte, man habe einen «Entwurf gehabt, dem man hätte zustimmen können». Die Arbeitgeberseite habe aber in letzter Sekunde gezögert, dies in ein offizielles Angebot zu gießen. Die Ärztegewerkschaft sei kurz davor gewesen, die Verhandlungen abzubrechen.

TdL-Verhandlungsführer Rieger sagte, es gebe noch einen Rückkoppelungsbedarf mit den Bundesländern. Natürlich wollten die Finanzminister die skizzierten Vorschläge noch einmal «anschauen und durchrechnen», wie sich das gegebenenfalls auswirke. Aber man habe die «Leitplanken heute festgezurrt». Nähere Einzelheiten zu den strittigen Gehaltsfragen wurden aber nicht bekannt gegeben.

Der Marburger Bund war am vergangenen Freitag erstmals von der strikten Forderung nach 30 Prozent mehr Gehalt für die 22.000 Ärzte an den Hochschulkliniken und psychiatrischen Landeskrankenhäusern abgerückt. Die Ärztegewerkschaft verlangt auch bessere Arbeitsbedingungen. In den vergangenen sieben Wochen hatten die Klinikärzte ihre Forderungen immer wieder mit Streiks untermauert. Weitere Streiks sind in den kommenden Tagen in Baden-Würtemberg geplant, und zwar in Freiburg, Heidelberg und Tübingen.

Die neue Runde am Dienstag sei die allerletzte Chance, sagte MB-Verhandlungsführer Hammerschlag. «Wenn die Arbeitgeber am Dienstag nicht vernünftig springen, werden wir den Streik flächendeckend ausweiten. Wir machen das so lange, bis wir ein Ergebnis haben.» Die Arbeitgeber warnten vor den Folgen für die Patienten, die lange geplante Operationen aufschieben müssten. So etwas sei sehr bitter, sagte Rieger. (tso/dpa)

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