Politik : Ärzte und Apotheker sollen Kassen gezielt betrogen haben

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Saarbrücken Gegen insgesamt 40 Ärzte und Apotheker in Rheinland- Pfalz, dem Saarland und in Hessen wird nach einem Bericht des „Focus“ wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs ermittelt. Sie sollen in ganz Deutschland systematisch mit Krankenkassenkarten betrogen haben, berichtet das Magazin. Die Staatsanwaltschaft in Saarbrücken bestätigte am Sonntag Ermittlungen gegen rund 1000 Menschen in dem kleinsten Flächenbundesland. Darunter seien auch Besitzer von Versichertenkarten. Die Staatsanwaltschaften in Frankfurt und Mainz waren zunächst nicht zu erreichen.

Offenbar haben Ärzte nicht erbrachte Leistungen bei den Krankenkassen abgerechnet und fingierte Rezepte ausgestellt. Komplizen sollen diese wiederum in bestimmten Apotheken gegen Geld, das Potenzmittel Viagra oder Kosmetik eingetauscht haben. Die Apotheker hätten die Rezepte dann bei den Krankenkassen abgerechnet. Insgesamt seien mehrere tausend Menschen in den Betrugsskandal verwickelt. Der Saarbrücker Staatsanwalt Raimund Weyand sagte am Sonntag, Mitglieder eines Saarbrücker Fitness-Studios hätten ihre Karten gegen Geld – beispielsweise gegen Beträge in Höhe von 200 Euro – für einige Tage abgegeben und somit die Straftaten ermöglicht. Gegen die Betreiber des Fitness-Studios werde inzwischen ermittelt. Laut „Focus“ wurden auch in einem Altersheim Karten eingesammelt. Diese Angaben wollte Weyand jedoch im Hinblick auf die laufenden Ermittlungen nicht bestätigen.

Die Ermittlungen waren bereits im Herbst des Jahres 2003 mit dem Betrugsverdacht gegen eine Ärztin ins Rollen gekommen. Die 53-Jährige war wegen Rezeptbetrugs am vergangenen Dienstag vom Saarbrücker Landgericht zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Die Ärztin hatte die Krankenkassen dem rechtskräftigen Urteil zufolge um 750000 Euro geschädigt. dpa

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