Politik : Ärzte und Länder erwarten Tarifabschluss in dieser Woche

Rainer Woratschka

Berlin - Eine Einigung im Tarifstreit der Ärzte an Unikliniken wird immer wahrscheinlicher – möglicherweise kommt sie schon diese Woche. Am Dienstag gab die Tarifgemeinschaft der Länder bekannt, dass die Verhandlungen am Freitag in Berlin wieder aufgenommen würden. Allerdings konnte sich ihr Verhandlungsführer, Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), Seitenhiebe auf seinen Kontrahenten, den Chef des Ärzteverbands Marburger Bund (MB), Frank Ulrich Montgomery, nicht verkneifen. „Es wäre jetzt gut, wenn Herr Montgomery die Einigung nicht noch weiter belasten würde, sonst muss man ja den Eindruck gewinnen, dass er gar keine Einigung will“, sagte er der Deutschen Presseagentur.

Möllring bezog sich auf Montgomerys Äußerung, dass es noch „Verhandlungsbedarf“ gebe. Bei Ärzten in den ersten zwei Berufsjahren hätte er gerne 100 Euro pro Monat obendrauf. So könne man drohender Abwanderung ins Ausland entgegenwirken. Dies koste 2,4 Millionen Euro – eine „eher marginale Summe“, wie MB- Sprecher Athanasios Drougias findet.

Zudem umfassten die Ländervorschläge bisher nicht ausdrücklich zwei Gruppen, die der Verband gerne mit im Boot hätte: Ärzte ohne direkten Patientenkontakt (etwa Hygieniker oder Laborärzte) und Fachwissenschaftler, die mit Patienten arbeiten, aber keine Ärzte sind (etwa bestimmte Psychotherapeuten).

Die 100 Euro mehr seien „völlig abwegig“, schimpfte Möllring sogleich – und fügte hinzu, dass es gefährlich sei, derart ungeschickt zu verhandeln. Schließlich muss er die Vorschläge aus dem Vier-Augen-Gespräch mit den Länderfinanzministern abstimmen. Wenn Montgomery jedoch „bei dem bleibt, was wir letzten Samstag besprochen haben, kann alles in dieser Woche beendet sein“.

Einig sind sich die Tarifparteien offenbar über eine bezahlte wöchentliche Mehrarbeit von mindestens zwei Stunden sowie darüber, keine kurz befristeten Verträge mehr abzuschließen. Beim Gehalt lagen sie bisher noch um zwei Prozentpunkte auseinander. Montgomery jedenfalls begann am Dienstag – trotz neuerlicher Streiks von 13 500 Ärzten an 41 Klinikstandorten – schon mal für den anvisierten Abschluss zu werben. „Wir kriegen einen eigenen Tarifvertrag, gute Arbeitszeiten, bessere Arbeitsbedingungen, und wir kriegen auch noch eine kleine Schippe mehr Geld drauf“, versprach er.

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